Adam Jones kam am 15. Januar 1965 in Park Ridge, Illinois zur Welt, einer dieser Vorstädte, die eigentlich nur dafür existieren, dass man später sagen kann: „Krass, so ein Typ kommt aus da?“ Er wuchs in Libertyville auf, spielte brav Geige im Suzuki-Programm und war das Kind, das lieber schiefe Tonfiguren knetete als draußen mit den anderen zu spielen. Während normale Kids ihre Eltern mit Blockflöten massakrierten, modellierte Adam schon als Zehnjähriger Figuren, die aussehen, als hätten sie nachts Dämonen beschworen. Dass Tool-Videos später wie stop-motion-Albträume wirken, war also kein künstlerisches Konzept, das war Adams Kindheit, nur mit Budget.
Später griff er zum Kontrabass, gründete zusammen mit einem damals ebenfalls völlig unbekannten Tom Morello eine Schülerband mit dem sexy Namen Electric Sheep, und das Ganze war ungefähr so erfolgreich wie ein Smoothie aus Brokkoli und Zigarettenasche. Trotzdem lernten beide voneinander Gitarre spielen, komplett ohne Unterricht, einfach durch Rumprobieren, Abschauen und das jugendliche „Scheiß drauf, lass machen“. Und wenn man später sieht, was für Aliens diese zwei Idioten an der Gitarre wurden, dann muss man sagen: Das war wohl der bestmögliche Nicht-Unterricht der Musikgeschichte. Statt das Filmstipendium anzunehmen, das man ihm anbot, entschied Adam, dass sein Lebensweg eher in Richtung Monster, Blut und Spezialeffekte gehen sollte.
Also zog er nach Los Angeles, schnappte sich Skulpturenwerkzeug und landete in der Hollywood-SFX-Szene. Während andere Gitarristen in Bars traurig vor sich hin shredderten, baute Adam Jones nebenbei Kreaturen für Terminator 2, Jurassic Park, Batman Returns und Predator 2. Kein Witz: Der Mann, der später die Gitarrenlandschaften auf Lateralus erschuf, hat vorher Freddy-Krueger-Embryos modelliert und Predator-Schädel für dessen Raumschiff designt. Es ist fast, als hätte das Universum gesagt: „Okay, du willst creepy sein? Dann bitte richtig.“ Und dann kam Tool. Die Band, die klingt, als hätten ein Mathematiker, ein Okkultist und ein verrückter Bildhauer beschlossen, gemeinsam einen spirituellen Nervenzusammenbruch zu vertonen.
Jones brachte all seine verstörte Filmkunst, seine Liebe zu merkwürdigen Skulpturen und seinen „Was wäre, wenn ich ein Epiliergerät als Plektrum benutze?“-Erfindergeist direkt in die Musikvideos und die Bühnenshow. Der Mann erschuf Bildwelten, die so verstörend sind, dass sie heute in Kunsthochschulen analysiert werden und gleichzeitig so cool, dass Zuschauer sie sich freiwillig zum Frühstück reinziehen. Musikalisch ist Adam Jones das Gegenteil des typischen Gitarristen, der 500 Noten pro Sekunde spielt, um sich wichtig zu fühlen. Er ist eher der Typ, der einen Ton hält, bis du denkst, du schwebst gleich aus deinem Körper, und dann haut er eine schräge Rhythmik rein, die dir die Synapsen neu verkabelt. Er spielt nicht „schnell“, er spielt „dimensionenzerstörend“.
Seine 79er Silverburst Les Paul wurde irgendwann so legendär, dass Gibson sie zur Signature-Gitarre machte, und ja, Fans behandeln das Ding inzwischen wie eine heilige Reliquie. Seit Jahren jongliert Jones mit Drop-D-Stimmungen, abgefuckten Pedalboards und nerdigen Time Signatures, als wäre das alles ein verrücktes Lego-Set. Und wenn du dachtest, Tool wäre musikalisch kompliziert, warte, bis du hörst, dass er bei manchen Songs tatsächlich ein Epiliergerät benutzt hat. Ein. Epiliergerät. Seine Visualkunst zieht sich wie eine DNA-Spur durch alles, was Tool anfasst. Adams Stop-Motion, seine Fotografien, seine Albencover, seine surrealen Bühnenprojektionen, das ist kein Beiwerk, das ist ein integraler Teil der Band. Er gewann für 10,000 Days sogar den Grammy für das beste Recording Package, weil er im Grunde ein Ein-Mann-Kreativstudio ist, das nie schläft.
Und wenn er mal nicht gerade Musik macht, zeichnet er Comics, bastelt mit Steve Niles an X-Files-Crossovern herum oder hilft Green Jellÿ dabei, auszusehen wie ein bekiffter Kindergeburtstag auf LSD. Privat schaffte er 2013 sogar das, was Tool-Fans nie tun: Er beschleunigte einen Prozess. Er heiratete die Malerin Korin Faught und bekam mit ihr zwei Söhne und eine Tochter – trotz eines Lebens, das exzessiv aus Tourbus, Kunstprojekten und kryptischen Songideen besteht. Wie er das unter einen Hut bekommt, weiß vermutlich nur die Zeit selbst, und selbst die dürfte bei Adam Jones ständig ins Stolpern geraten. Und dann, als ob sein Lebenslauf nicht schon genug Scheiß enthielte, performte er 2011 einfach mal die US-Nationalhymne beim WWE SummerSlam. Und 2025 gaben die Lucha Brothers bekannt, dass Adam Jones ihre Entrance-Gitarrenteile eingespielt hat.
Wenn du ein Künstler bist, der sich weigert, in irgendeine Kategorie zu passen, dann tut’s gut, auch mal im Wrestling aufzutauchen. Das nennt man Markenpflege. Am Ende bleibt Adam Jones dieses mystische Hybridwesen: halb Bildhauer, halb Musiker, halb verrückter Wissenschaftler, der mit Zeit, Rhythmus und Körperhaarentfernungsgeräten experimentiert. Seine Karriere ist der Beweis, dass man gleichzeitig Monster bauen, progressive Metal-Geschichten schreiben und ikonische Kunst erschaffen kann, solange man genug Durchhaltevermögen, Talent und gesunden Wahnsinn hat. Adam Jones ist nicht nur der Gitarrist von Tool. Er ist das verdammte multimediale Nervensystem der Band – der Mann, der Klang, Chaos und Kunst zu einem einzigen, gewaltigen organischen Monster verschweißt hat.