Alex Wade ist der Typ Gitarrist, der nie groß behauptet hat, irgendetwas Besonderes zu sein und genau deshalb seit Ewigkeiten zu den Konstanten im Extreme-Metal gehört. Er kommt aus dieser Ecke in Tennessee, wo man entweder Sport macht, trinkt oder anfängt, laut Musik zu spielen. Alex entschied sich für Letzteres und blieb der Sache treu wie ein Pitbull an einem alten Seil. Während um ihn herum Leute kamen, gingen, Karrierepläne änderten oder komplett abstürzten, blieb er einfach bei der Gitarre. Nicht aus Romantik. Sondern weil es für ihn keinen Plan B gab, der halbwegs so viel Sinn ergab wie verzerrte Saiten und wahnwitziger Lärm.
Mit der Gründung von Whitechapel begann für ihn eine dieser Geschichten, die eigentlich nie als Karriere gedacht waren. Ein paar Jungs, ein paar Riffs, ein paar lokale Shows, mehr nicht. Niemand dachte damals darüber nach, wohin das führt. Aber manchmal nimmt das Leben eine Idee, die eigentlich gar nicht so groß gemeint war, und tritt sie mit einem brutalen Kick in eine völlig andere Liga. Genau so landete Alex irgendwann in dieser Position, in der Fans weltweit seine Riffs auswendig kennen und ganze Festivals ausflippen, sobald die ersten tiefgestimmten Akkorde aus den Boxen fliegen.
Was ihn dabei immer auszeichnete, war diese Mischung aus Disziplin und Besessenheit. Alex ist keiner dieser schillernden Gitarrengötter, die sich öffentlich selbst feiern und die Musik nur als Beweis ihrer Ego-Größe benutzen. Er ist eher der Typ, der im Studio stundenlang an einem einzigen Part sitzt, bis das Ergebnis klingt, als hätte ein Metallblock gerade beschlossen, Musik zu werden. Seine rechte Hand spielt präziser als so mancher Herzschrittmacher, und seine Rhythmusparts treffen wie ein verdammter Presslufthammer im Maschinenraum eines sinkenden Schiffs. Das ist nicht nur Technik, das ist Charakter.
Über die Jahre entwickelte sich aus der Band um ihn herum ein Organismus, der ständig weiterwächst, aber im Kern unverändert bleibt. Die Musik wurde komplexer, dann wieder brutaler, dann melodischer, dann wieder komplett apokalyptisch. Alex blieb dabei die ruhige Achse, um die sich alles dreht. Wenn irgendwo Chaos herrscht, sorgt er dafür, dass es wenigstens gut klingt. Er hat ein Händchen für Gitarrensounds, die gleichzeitig glasklar und zerstörerisch sind, als hätte jemand eine Kettensäge in ein Tonstudio geschmuggelt und den Ingenieur gezwungen, daraus Kunst zu machen.
Dass er ein echtes Verständnis für Songwriting hat, zeigt sich daran, wie selbstverständlich er musikalische Ideen anderer Bandmitglieder integriert. Es ist ihm egal, wer ein Riff bringt — wichtig ist nur, ob es die Energie hat, die ein Whitechapel-Song braucht. Phil Bozeman, der Sänger der Band, schreibt bis heute immer wieder Gitarrenparts, die Alex dann umsetzt, als hätte er sie selbst aus seinem eigenen Kopf gezogen. Genau dadurch bleibt die Band frisch, hungrig und unberechenbar. Alex ist außerdem einer dieser Gitarristen, die intuitiv verstanden haben, dass moderne Metal-Produktionen eine Wissenschaft sind.
Wenn er über Verstärker, Gain-Strukturen und Reamping spricht, klingt das weniger nach Musiker und mehr nach einem Typen, der im Keller heimlich an einem Teilchenbeschleuniger baut. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum seine Signature-Modelle so nüchtern technisch perfekt wirken, statt irgendein peinliches Rock-Star-Gimmick zu sein. Trotz aller Härte steckt in seiner Musik immer dieser Funke Gelassenheit, der nur entsteht, wenn jemand genau weiß, wer er ist und was er macht. lex braucht keine Show. Keine Dramatik. Keine Legendenbildung.
AEr taucht einfach auf, spielt seine Parts, und die Wand hinter ihm fällt um. Das ist sein Markenzeichen: totale Ehrlichkeit im Sound, totale Hingabe in der Arbeit und null Bock auf irgendwelchen Rockstar-Bullshit. Und genau deshalb funktioniert seine Biografie auch ohne Zeitangaben. Er ist nicht der Typ Musiker, den man an Jahren misst. Er ist der Typ Musiker, den man an der Schwere seiner Riffs erkennt. Egal ob heute, morgen oder in zehn Jahren: Alex Wade bleibt der Typ, der zeigt, dass man nichts beweisen muss, wenn man lange genug laut genug bleibt.