George Benson: Der Boss mit Gitarre und Groove, – ja, genau der Typ mit der butterweichen Stimme und den messerscharfen Gitarrenriffs – ist seit Jahrzehnten der lebende Beweis, dass man Jazz spielen und trotzdem die Massen zum Ausflippen bringen kann. Millionen feiern ihn als Musiker und Entertainer, weil er beides kann: Technik, die andere Gitarristen weinen lässt, und Shows, bei denen du vergisst, dass du eigentlich kein Jazz-Fan bist.
Angefangen hat alles nicht etwa in einem fancy Studio in L.A., sondern in den Kneipen von Pittsburgh. Da stand ein junger George, der nicht nur Gitarre spielte, sondern auch tanzte, sang und Ukulele klimperte – alles auf einer kleinen Clubbühne, wo keiner mit einem Plattenvertrag wedelte. „Ich war zuerst Entertainer“, sagt er – und meint das auch so. Es ging ihm nie nur um Akkorde, sondern darum, Leute zum Lächeln zu bringen. Und vielleicht auch ein bisschen zum Ausflippen. Dann kam Wes Montgomery um die Ecke.
Ganz genau, der Gitarrengott höchst persönlich – und sagte sinngemäß: „Junge, du hast’s voll drauf.“ Ein Ritterschlag. George ließ sich nicht lumpen, spielte mit Organist Jack McDuff und lernte, was es heißt, wenn Jazz swingen kann wie eine Diskokugel in der Bronx. Da wurde klar: Der Typ spielt nicht einfach nur – er lässt dich tanzen, denken und feiern, alles gleichzeitig. Sein erstes Album nannte er selbstbewusst „The New Boss Guitar“.
Und mal ehrlich: Wenn du so ein Ding raushaust, brauchst du entweder Eier aus Stahl oder Talent. Benson hatte beides. Die Szene nahm’s zur Kenntnis – spätestens als John Hammond (der Typ, der auch Springsteen und Dylan entdeckt hat) ihn bei Columbia unter Vertrag nahm. Der Rest? Geschichte. Er jammte mit Miles Davis (ja, DEM Miles Davis), interpretierte Beatles-Songs neu und setzte sich nie Grenzen, die andere ihm vorschreiben wollten.
Als er das erste Mal in einem Studio Gitarre spielte UND dazu sang, haben ihn die anderen ausgelacht. Kein Witz. Aber dann kam Produzent Tommy LiPuma, sagte: „Probier’s aus, George“ – und zack, kam Breezin’. Das Ding ging durch die Decke und wurde das erste Jazz-Album mit Platinstatus. Kein Zufall. Mit Songs wie „This Masquerade“, „On Broadway“ oder „Give Me The Night“ wurde Benson zum Mainstream-Star. Und wie das so ist, flippten die Jazzpuristen aus. „Du hast uns verraten“, riefen sie. Seine Antwort?
„Ich spiele für Menschen, nicht für Jazz-Polizei.“ Touché. In den 80ern und 90ern blieb er relevant – nicht, weil er Trends hinterherrannte, sondern weil er sie mitgestaltete. Zehn GRAMMYs, Welttourneen, Alben mit Soul, Funk, Jazz und sogar Hip-Hop-Vibes. Und zwischendurch jammt er mit jungen Talenten, weil er nicht einfach aufhören kann, besser zu werden. George Benson ist kein Museumskünstler.
Er ist einer von denen, die die Regeln kennen – und sie dann charmant ignorieren. Er glaubt an Groove, Gefühl und daran, dass Musik vor allem eines tun sollte: dich bewegen. Sein Motto: „Wenn du die Leute dazu bringst, mit dem Fuß zu wippen, kannst du ihnen jede verrückte Jazzlinie verkaufen.“ Und genau das tut er – seit über 50 Jahren. Immer mit Stil, Seele und einer Gitarre, die mehr zu sagen hat als die meisten Menschen auf Twitter.