Mateus Asato wird 1994 in Campo Grande, Brasilien geboren – kein Glamour, kein Rockstar-Geburtsort, nur Hitze, Kirche und eine Gitarre, die ihm mit zehn Jahren in die Hände gedrückt wird. Ein Jahr später entdeckt er die E-Gitarre und damit seine persönliche Sucht. Während andere Kinder Videospiele zocken, übt er Double Stops, Slides und Jazz-Akkorde zwischen Gebet und Abendessen. Die Kirche wird sein erstes Trainingslager, sein erstes Studio, seine erste Bühne. Kein Applaus, kein Ruhm – nur verdammt viele Wiederholungen.
2010 gewinnt er den „Double Vision Contest“ gegen über 800 andere Gitarristen. Das ist der Moment, in dem das Leben leise sagt: Okay Junge, jetzt wird’s ernst. Drei Jahre später macht er genau das, wovor die meisten ihr Leben lang wegrennen: Er verlässt Brasilien mit 19, zieht nach Los Angeles und geht ans Musicians Institute. Kein Geld, kein Netzwerk, kein Sicherheitsnetz. Nur Talent, Ehrgeiz und eine Instagram-App, die bald sein Schaufenster in die Welt wird. Während andere an der Hochschule hoffen, entdeckt zu werden, dokumentiert Mateus seinen Fortschritt gnadenlos online.
Kein Image, kein Marketing, nur Hände auf Saiten. Die Industrie schaut zu. Erst leise. Dann aufmerksam. Dann ruft plötzlich Tori Kelly an. Das Vorspielen findet an einem Karfreitag statt. Morgens das Audition. Abends der Rückruf – während er in der Kirche sitzt. Kein Witz. Der Job ist seiner. Willkommen im Profizirkus. Von 2015 bis 2020 tourt er mit Tori Kelly durch die USA, spielt TV-Shows, Preisverleihungen, große Festivals. Dann kommt Jessie J, ein Jahr Europa, UK, Rock in Rio.
Dort passiert der nächste absurde Karriere-Moment: Backstage steht plötzlich Bruno Mars vor ihm. Ein Jahr später steht Mateus selbst mit ihm in Las Vegas auf der Bühne. 2021 folgt die offizielle Einladung: Hooligan-Bandmitglied. Grammy-Performance mit Silk Sonic. Tokio Dome. Ausverkauft. Dreimal. Der Junge aus Campo Grande steht plötzlich auf den größten Bühnen des Planeten. Kein Masterplan. Nur eine brutale Abfolge richtiger Entscheidungen. Währenddessen explodiert sein Internet-Status völlig nebenbei. Über eine Million Follower auf Instagram, Hunderttausende auf YouTube, TikTok, Facebook.
Warum? Weil sein Stil etwas kann, das selten ist: Er ist technisch krank, aber musikalisch menschlich. Hybrid Picking, Neo Soul, Jazz-Harmonien, butterweiche Slides – alles fließt, nichts schreit. John Mayer sagt öffentlich, er gehöre zu den besten Gitarristen der Welt. Guitar World packt ihn in die Top 10 des Jahrzehnts. Total Guitar nennt ihn Nummer drei „Right Now“. Mateus selbst bleibt dabei so spektakulär unspektakulär wie sein Ton. Natürlich bekommt er irgendwann auch eine Signature-Gitarre. Suhr Mateus Asato. Boutique, teuer, ausverkauft.
Aber wie immer gilt: Die Gitarre macht niemanden besser – sie macht nur klar, dass dieser Typ längst angekommen ist. 2021 verschwindet er plötzlich von Instagram. Kein Drama, keine Erklärung, einfach weg. Mentale Pause. Druckausgleich. 2022 kommt er zurück. Noch klarer. Noch ruhiger. Noch gefährlicher. Neben dem ganzen Sideman-Zirkus beginnt er endlich, sich auf sein eigenes Projekt zu fokussieren. Instrumental-Trios, Welttourneen durch Asien, Australien, Europa. Jahrzehnte des Wartens auf das Debütalbum.
Jetzt wird es Realität. Nicht aus Druck. Sondern aus Reife. Privat schlägt das Leben ebenfalls ein neues Kapitel auf. 2024 heiratet er die brasilianische Schauspielerin und Influencerin Maju Trindade. Er lebt wieder in Brasilien. Kreis geschlossen. Mateus Asato ist kein Shred-Zirkus, kein Instagram-Clown, kein Ego-Gott. Er ist der Beweis, dass man mit Substanz, Geschmack und jahrelanger Einsamkeit an der Gitarre leise an die Weltspitze kommen kann – ohne je laut werden zu müssen. Kein Feuerwerk. Kein Drama. Nur Ton. Und der sitzt.