Russell John Parrish wurde am 24. November 1970 in Redwood City, Kalifornien geboren. Später nannte er sich Satchel, vermutlich, weil „seriöser Studio-Gitarrist mit absurdem Talent“ zu lang für ein Bühnenbanner war. Er absolvierte 1989 das Guitar Institute of Technology in Hollywood, also genau den Ort, an dem Gitarristen entweder Karriere machen oder lebenslang Licks üben, die niemand hören will. Satchel machte Ersteres. Direkt nach dem Abschluss unterrichtete er selbst, während er gleichzeitig in mehreren Bands spielte. Darunter Bad Dog, ein Racer-X-Ableger mit Jeff Martin, und The Electric Fence, wo Paul Gilbert abwechselnd Gitarre und Bass übernahm.
Als Gilbert zu Mr. Big wechselte, zog Satchel gleich mit ein, zumindest wohnlich. Er mietete ein Zimmer in Gilberts Haus in L.A., hütete das Heim während Touren und nutzte die Zeit, um im hauseigenen Studio Demos aufzunehmen. Networking auf Weltklasse-Niveau. Nebenbei schrieb er Songs mit Gilbert und tauchte sogar auf dessen Terrifying Guitar Trip-Video auf, ausgerechnet am Bass. Es folgten Jahre als musikalischer Söldner mit Stil. Satchel spielte bei Jeff Pilsons War & Peace, landete auf dem Time Capsule-Release bei Shrapnel Records und wurde nach einer Thin-Lizzy-Coverband plötzlich Rob Halford vorgestellt. Ergebnis: Einstieg bei Fight, Judas Priests Nebenprojekt, und Mitwirkung auf War of Words.
Kein Glam. Kein Witz. Nur ernstzunehmender Metal, was rückblickend fast unheimlich wirkt. Nach Fight ging es weiter durch die Szene: Outta The Blue, später The Szuters, Kevin Gilberts Tourband zu Thud, Auftritte, DVDs, Studiogigs. 1996 spielte Satchel Gitarre auf Sebastian Bachs Version von Rock Bottom für das Ace-Frehley-Tribute Spacewalk. Parallel dazu sammelte er Coverband-Meilen: Van Halen mit Atomic Punks, Rush mit Moving Pictures. Wer Satchel damals live sah, wusste längst: Der Typ verarscht später vielleicht alles – aber spielen kann er wirklich alles. In den frühen 2000ern führte er seine eigene Band The Thornbirds, in der bereits Darren Leader saß – später besser bekannt als Stix Zadinia.
Und genau hier beginnt der eigentliche Wahnsinn. Zusammen mit Ralph Saenz startete Satchel eine Glam-Metal-Coverband namens Metal Shop. Bühnenfiguren: Rikki Ratchet und Michael Diamond. Es war Spinal Tap, nur mit besseren Gitarren und schlechterem Benehmen. Ein Discover-Card-Werbespot als fiktive Pleiteband namens Danger Kitty inklusive. 2003 erschien Hole Patrol, inzwischen unter dem Namen Metal Skool. Eigene Songs kamen dazu, die Figuren wurden geschärft, die Besetzung stabilisiert: Lexxi Foxx am Bass, Stix Zadinia am Schlagzeug. Die Kunstfiguren bekamen neue Namen, Satchel und Michael Starr – und 2009 war es dann so weit:
Metal Skool wurde zu Steel Panther. Feel the Steel erschien und plötzlich sangen Menschen auf der ganzen Welt über Groupies, Sex, Haarspray und Dinge, die man eigentlich niemandem erklären kann. Steel Panther wurden zum globalen Phänomen. Ausverkaufte Shows, riesige Festivals, Download in UK, Promi-Fans, MTV-Humor auf Arena-Niveau. Und mittendrin: Satchel. Der Leadgitarrist, der aussieht wie eine Parodie, aber spielt wie jemand, der seine Hausaufgaben bei Van Halen, Gilbert, Lynch und Co. sehr ernst genommen hat.
Abseits des Panther-Zirkus tauchte Satchel auch in ernsteren Kontexten auf, etwa beim Ronnie-James-Dio-Tribute This Is Your Life mit Corey Taylor auf Rainbow in the Dark. Ein kurzer Moment, in dem man merkt: Hinter all dem Spandex steckt ein Musiker, der weiß, wo Metal herkommt und warum man ihn trotzdem nicht immer todernst nehmen sollte. Satchel ist kein Witz, der Gitarre spielt. Er ist ein exzellenter Gitarrist, der sich erlaubt, ein Witz zu sein. Und genau das macht ihn gefährlicher als die meisten Glam-Revivalisten. Denn wer über ihn lacht, merkt oft zu spät, dass er gerade technisch komplett auseinandergenommen wurde.