Bill Kelliher ist das, was passiert, wenn ein Teenager aus den Vororten von Rochester, New York, die Finger nicht von der verdammten Gitarre lassen kann. Geboren am 23. März 1971, wuchs er in Victor auf, umgeben vom industriellen Charme Upstate New Yorks, während sein Vater in seinem Hi-Fi-Stereo-Shop Schallplatten stapelte und ihm Jazz, The Beatles und klassische Rockplatten wie Boston und Van Halen direkt ins Wohnzimmer spülte. Kein Wunder, dass Bill schon früh in den Bann der Musik gezogen wurde und ein bisschen auch von der irischen Herkunft seines Vaters, die ihm nicht nur Doppelbürgerstatus, sondern auch eine gesunde Portion Work Ethic einbrachte. Mit 15 Jahren schnappte er sich seine erste Gitarre, eine 100-Dollar-Stratocaster-Kopie und entschied, dass er sie nicht nur spielen, sondern beherrschen würde. Von U2s „Sunday Bloody Sunday“ bis zu Ozzy Osbournes „Crazy Train“ brachte er sich Gitarre selbst bei, während Ramones, Sex Pistols und Black Flag seinen rebellischen Geist beeinflussten.
Bald schon stand er mit Krinkle Pig auf kleinen Bühnen, spielte Punk-Cover bei Talent-Shows und machte die Suburb-Keller unsicher. Nach der Highschool ging’s ernsthaft los: Bill tauchte tiefer in die lokale Szene ein, gründete Bands, jamte mit dem zukünftigen Mastodon-Drummer Brann Dailor und feilte an seinen Skills in Garage-Bands und Dive Bars. Es war die perfekte Brutstätte für seinen aggressiv-melodischen Stil: technisch, aber mit Groove, schmutzig, aber kontrolliert. 1994 stieg er in die progressive Metal-Band Lethargy ein, die mit komplexen Rhythmen und off-kilter Strukturen das Publikum verwirrte und begeisterte. Mit dem Debütalbum It’s Walking on Air zeigte Bill schon früh, dass er mehr wollte als nur Lärm: Präzision, Experimentierfreude und ein feines Gespür für Rhythmus machten ihn aus.
Kurz darauf folgte ein Abstecher als Bassist bei Today Is the Day, wo Grindcore, Sludge und Chaos seinen musikalischen Horizont erweiterten. Alben wie In the Eyes of God demonstrierten, dass Bill auch den rohen, aggressiven Sound beherrschte. Alles kulminierte 2000, als er nach Atlanta zog – dem Mekka für Heavy Music, um seiner Frau zu folgen und in der dortigen Szene Fuß zu fassen. Genau in dieser Stadt traf er auf Brann Dailor, Troy Sanders und Brent Hinds. Gemeinsam gründeten sie Mastodon, luden ihre Songs in Sanders’ Van und machten sofort die Bühnen unsicher. Mit Relapse Records im Rücken starteten sie eine Karriere, die progressive Strukturen, sludgy Riffs und Konzeptalben zu ihrer Signatur machte. Seitdem hat Bill acht Studioalben eingespielt, darunter Klassiker wie Leviathan, Crack the Skye und Emperor of Sand, letzteres ein Nummer-eins-Album auf den Billboard-Charts und mit einem Grammy für „Sultan’s Curse“ gekrönt.
Sein Gitarrenspiel, komplexe Rhythmen, melodische Nuancen, Sludge-Attitüde, hat nicht nur Mastodon definiert, sondern auch Soundtracks wie Game of Thrones oder DCs Dark Nights: Death Metal veredelt. Tourneen? Check. Headliner-Festivals? Check. Globale Shows ausverkauft? Doppel-Check. Der Tod von Brent Hinds 2025 traf die Band hart, aber Bill bleibt der Fels in der Brandung, arbeitet an neuem Material und lässt sich von modernen Acts wie Turnstile inspirieren, während er die Mastodon-Flagge hochhält. Bill Kelliher ist kein gewöhnlicher Gitarrist. Er ist ein Vollblut-Musiker, der Punk, Metal und Progressive zu einem eigenen Monster verschmolzen hat. Ein Typ, der mit 15 Jahren in einem Suburb-Keller anfing und heute die Weltbühnen zerlegt. Präzise, brutal, melodisch – ein Gitarren-Mastermind, das jeden Ton leben lässt, jeden Riff zum Abenteuer macht und beweist: Wer Bill auf der Bühne sieht, erlebt keine Show, sondern eine Vollgas-Metal-Explosion.