Pete Thorn, geboren am 15. Juni 1970 in Portland, Oregon, wuchs mit einer schlichten Akustikgitarre in der Hand auf, so unschuldig wie jeder andere Junge, der dachte, Musik wäre nur ein Hobby. In seinen Teenagerjahren zog er aus dem eher beschaulichen Edmonton (Kanada) nach Los Angeles, weil wer will schon Eiszapfen an den Saiten, wenn er Rock’n’Roll spielen kann? Er landete am legendären Musician’s Institute, wo er sich das Handwerk des Gitarren-Zauberns beibrachte und vermutlich auch lernte, wie man im Schlaf mit einem Plektrum spielt. Sein erster ernstzunehmender Gig kam mit der Band Surreal McCoys, die bei Sony Japan unter Vertrag stand. Die Band ging unter, aber hey, Pete lernte den Sänger Frank Simes kennen, der schon mit Leuten wie Don Henley, Mick Jagger und Stevie Nicks gearbeitet hatte.
Jackpot. Pete war plötzlich drin, im Haifischbecken der LA-Musikszene und statt gefressen zu werden, wurde er einer der verdammten Haie. Ende der 90er spielte er sich durch jede Band, die ihn haben wollte: Sparkler, Ami, Kevin Gilbert, Laura Harding. Er tourte mit Adam Cohen, Blinker the Star, Evan and Jaron und ja, wahrscheinlich kannte er irgendwann jeden verdammten Flughafen-Whiskey-Preis auf der Welt auswendig. Dann kam der große Sprung: Five for Fighting, Forty Foot Echo, Robi Draco Rosa, Jewel, Thorn war plötzlich der Gitarrist, der überall passte. Wie ein musikalisches Schweizer Taschenmesser, nur mit mehr Verzerrung. Und dann… kam Courtney Love.
Pete schrieb und nahm mit ihr Songs auf, die später auf dem Hole-Album Nobody’s Daughter landeten. Ein Projekt, das vermutlich genauso chaotisch war, wie du’s dir gerade vorstellst, aber hey, Kunst entsteht selten in ruhigen Wohnzimmern. 2006 wurde Pete sesshaft, zumindest so sesshaft, wie man als Gitarrist sein kann und arbeitete mit Linda Perry in deren Studio Kung Fu Gardens. Dort schraubte er an Tracks für Leute wie James Blunt, Alicia Keys, Pink und Daniel Powter. Kurz gesagt: Pete war der unsichtbare Typ im Hintergrund, der all den Popstars den Arsch rettete, wenn ihr Sound mal wieder zu glatt war. Dann kam der Anruf, der alles änderte: Chris Cornell.
Pete schloss sich 2007 Cornells Soloband an, tourte um die Welt, spielte auf Carry On und Scream und bewies, dass er nicht nur poppige Wohlfühlsongs konnte, sondern auch ehrlichen, dunklen Rock. Danach holte ihn Don Henley (ja, DER Don Henley von den Eagles) für seine Tour. Wenn dich die Eagles anrufen, hast du’s geschafft. Punkt. 2011 tourte er mit Melissa Etheridge, 2013 mit Mylène Farmer, 2014 und 2015 sogar mit Tsuyoshi Nagabuchi vor über 100.000 Leuten am Mt. Fuji. Japan, Mt. Fuji, Gitarren-Solo vor einer Menschenmenge, die größer ist als deine Heimatstadt? Das ist kein Gig mehr. Das ist verdammte Legende. Aber Pete wollte mehr. Er wollte nicht nur der Sidekick sein, er wollte zeigen, was in ihm steckt. Also kam 2011 sein Soloalbum „Guitar Nerd“ raus.
Zehn Songs, die klingen, als hätte jemand das gesamte Gitarrenuniversum in eine 50-Minuten-Galaxie gepresst. Titel wie „Revenge of the Nerd“ und „Into the Ether“ beweisen, dass Pete Humor hat und dass er verdammt gut darin ist, die Gitarre sprechen zu lassen. Heute ist Pete nicht nur Musiker, sondern auch YouTube-Star. Sein Kanal, eine Mischung aus Gearporn, Gitarrenerotik und Nerd-Paradies, hat Millionen Aufrufe. Und das völlig zurecht. Denn Pete redet über Verstärker, als wären es seltene Whisky-Sorten, und spielt dabei so präzise, dass du dich fragst, ob seine Finger überhaupt menschlich sind. Also ja, Pete Thorn ist ein Gitarren-Nerd. Aber einer von der Sorte, die Stadiums füllen, während sie darüber philosophieren, welcher Overdrive-Pedaltyp den besten Sustain liefert. Wenn das Nerdtum ist, dann verdammt nochmal, ist das das coolste Nerdtum der Welt.