Jeff Hanneman wuchs nicht nur in Kalifornien auf, er wuchs auch in einem verdammten Kriegsfilm auf. Papa kämpfte in der Normandie, die Brüder in Vietnam, und am Abendbrottisch ging’s nicht um Mathehausaufgaben, sondern um Panzerschlachten und MG-Stellungen. Während andere Kids mit Hot Wheels spielten, baute Jeff Nazi-Panzer aus Plastik und diskutierte, welcher Flieger wie viele Bomben tragen konnte. Kein Wunder, dass der Typ später Slayer gründete. Die Musik kam über seine Schwester Mary ins Spiel. sie warf ihm Sabbath-Platten vor die Füße, und der Rest ist Geschichte. In der Highschool dann der nächste Kick: Hardcore Punk. Schnell, dreckig, kompromisslos, genau Hannemans Ding. Dieses Chaos wurde später das Rückgrat von Slayer. 1981 traf er beim langweiligen Telemarketing-Job auf Kerry King. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, zumindest in Sachen Verstärker, Speed und Satan. Zwei Wochen später war Slayer geboren.
Was daraus wurde? Eine der lautesten, kompromisslosesten und kontroversesten Bands der Thrash-Metal-Geschichte. Neben Metallica, Megadeth und Anthrax gehörten sie zu den „Big Four“, den vier Reitern der Thrash-Apokalypse. Jeff war kein Nebencharakter, er war der Architekt des Wahnsinns. Songs wie „Angel of Death“, „Raining Blood“ oder „War Ensemble“? Alles Hanneman. Krieg, Tod, Nazis, Chaos, der Typ hatte keine Angst, dorthin zu gehen, wo’s richtig dreckig wird. Seine Riffs waren wie Maschinengewehrfeuer, schnell, präzise, tödlich. Alben wie Reign in Blood, South of Heaven oder Seasons in the Abyss haben ihn in die Hall of Fame der Gitarren-Sadisten geschleudert. Kein Wunder, dass Guitar World ihn und Kerry King unter die Top 10 der heftigsten Metal-Gitarristen aller Zeiten packte. Privat? Ganz anders. Jeff Hanneman war eher der stille Typ.
Interviews? Kaum. Rampenlicht? Kein Bock. Dafür hatte er ein Faible für WWII-Memorabilia, Helme, Orden, Waffen, was halt sonst in Wohnzimmern nicht rumliegt. 1997 heiratete er Kathryn, und die beiden blieben zusammen bis zu seinem Tod. Geld? Klar, mit Slayer kamen ein paar Millionen rein, sagen wir ungefähr zehn. Aber Jeff war kein Rockstar, der seine Dollars in goldene Gitarrenkabel steckte. Er lebte ruhig und steckte sein Geld lieber in seine morbide Sammelleidenschaft und in paar Flaschen leckeres Bier.
Dann kam 2011 der Schock: Eine Spinne biss ihn, kein Witz und er zog sich eine nekrotisierende Fasziitis zu. Das ist so ungefähr das Ekelhafteste, was einem passieren kann, wenn man nicht gerade freiwillig The Human Centipede guckt. Die Krankheit fraß sich durch sein Fleisch, und obwohl er sich eine Zeit lang erholte, kam er nie wieder voll zurück. 2013 starb Hanneman an Leberversagen. Ursache: alkoholbedingte Leberzirrhose – etwas, das weder er noch seine Familie wirklich auf dem Schirm hatten.