Brent Hinds war eine Naturgewalt. 25 Jahre lang hat er Mastodon geprägt, der unberechenbare, selbstzerstörerische Typ, der jede Bandprobe, jeden Song und jeden Auftritt mit purer Intensität auflud. Wenn Chaos eine Person wäre, hieße es Brent Hinds. Geboren am 16. Januar 1974 als William Brent Hinds in Helena, Alabama, wuchs er in Birmingham auf, einem Ort, den er später spöttisch „Boring-ham“ nannte. Schon als Teenager war Hinds ein „totaler Teufelskerl“: LSD, Dreadlocks, Totenköpfe in den Notizbüchern, Hausaufgaben? Niemals. Musik war alles. Sein Vater zwang ihn zum Banjo, seine Mutter checkte zwischendurch, ob er überhaupt noch lebte. Hinds’ Antwort: „Keine Sorge, ich masturbiere nicht, ich spiele Gitarre.“ Frühe Jahre? Ein wildes Durcheinander aus Homeschooling in Bluegrass, einem Jahr klassischem Gitarrenstudium und einer wachsenden Obsession, ein großartiger Gitarrist zu werden. Anfang der 90er zog Hinds nach Atlanta, lebte im Van, machte Drogen, schlief im Auto, kämpfte sich durchs Leben.
Wild, ungezähmt, ein moderner Wildling. Dort traf er Troy Sanders und spielte in dessen Band Four Hour Fogger, bevor Bill Kelliher und Brann Dailor auftauchten und Mastodon geboren wurde. Mastodon war Hinds’ Bühne, sein Labor, sein Schlachtfeld. Mit Alben wie Leviathan und Crack The Skye zeigte er, dass Metal nicht nur laut, sondern auch intelligent, komplex und emotional sein kann. Er war der melodische Herzschlag der Band, während Kelliher den Rhythmus hielt. Und ja, manchmal explodierte er, wie 2007 bei den MTV Awards, als ein Handgemenge ihn für drei Tage ins Koma schickte. Hinds kam zurück, spielte weiter, schnitzte Holz, ließ sich tätowieren. Stur wie immer. Neben Mastodon war Hinds ein Getriebener: Fiend Without a Face, West End Motel, Giraffe Tongue Orchestra, Legend of the Seagullmen, Projekte, die alle seine Liebe zu Musik, Wahnsinn und Chaos widerspiegelten.
Er spielte mit Tool’s Danny Carey, feierte Psychedelic-Rock-Experimente und ließ nie die Neugier sterben. Im März 2025 verließ er Mastodon. Zunächst hieß es einvernehmlich, später sprach Hinds Klartext: Er sei „rausgeschmissen“ worden, weil er die Band „in Verlegenheit gebracht“ habe. Typisch Hinds: ehrlich, unverblümt, nicht bereit, sich anzupassen. Am 20. August 2025 starb Brent Hinds bei einem Motorradunfall. Schnell, wild, tragisch. Wie sein Leben, wie seine Musik, nie still, immer auf der Grenze. Musiker und Fans weltweit trauerten, teilten Geschichten, lobten sein Genie, seinen Wahnsinn, seine unbändige Kraft. Bill Kelliher fasste es gut zusammen: „Du warst ein wilder Mann, der sich nicht zähmen ließ.
Dein Vagabund-Zigeuner-geprägtes Kind lebt in deiner Musik weiter.“ Hinds war ein Flying-V-Junkie, Silverburst, Les Pauls, SGs, Explorers, Lucite Vs, alles, was laut, scharf und verrückt klang. Er spielte die melodischen Soli, Kelliher hielt den Rhythmus. Seine Signature-Gitarre von Epiphone spiegelte genau das: Chaos in Perfektion. Stimmen wie D Standard, Drop C oder noch tiefer, alles für den maximalen Effekt. Brent Hinds’ Leben war kein linearer Rock’n’Roll-Traum. Es war eine Achterbahn aus Wahnsinn, Kreativität, Schmerz und Magie. Und am Ende hinterlässt er Musik, die genauso wild, unbändig und unvergesslich ist wie er selbst.