Noel Thomas David Gallagher wird am 29. Mai 1967 in Longsight, Manchester geboren – in eine Familie, die eher nach Boxring als nach Zuhause klingt. Vater: Spieler, Säufer, Schläger. Mutter Peggy: Alleinunterhalterin mit Rückgrat aus Stahl. Zwei Brüder: Paul, der Leise, und Liam, der menschliche Presslufthammer. Das Setting ist perfekt für eine Karriere im Rock’n’Roll oder in der geschlossenen Anstalt. Noel entscheidet sich für beides. Der Vater kippt morgens die Stockbetten um, um die Jungs zu wecken. Romantisch. Wenn die Kinder stottern – wird geprügelt, bis sie weniger stottern. Ergebnis: vier Jahre Sprachtherapie. Willkommen in der Gallagher-Grundschule für emotionale Verkrüppelung.
Mit 15 fliegt Noel von der Schule – angeblich wegen einer Mehlbombe gegen einen Lehrer. Er sagt bis heute, er war nur „zufällig im Raum“. Klar, Noel. Und Oasis ist eine Jazzband. Mit 14 wird er beim Ladenraub erwischt, bekommt Bewährung – und genau in dieser Phase drückt ihm seine Mutter eine billige Gitarre in die Hand. Daraus wird später eine der gefährlichsten Waffen der britischen Popgeschichte. Noel hängt mit Hooligans rum, schwänzt die Schule, spielt Fußball, träumt viel, redet wenig – und fängt an, sich selbst Gitarre beizubringen. Dann sieht er The Smiths 1983 im Fernsehen und beschließt: „Ich werde Johnny Marr. Oder zumindest jemand, der ihn ärgert.“
Er schuftet auf dem Bau, verletzt sich schwer am Fuß, landet im Lager eines Gasunternehmens – und schreibt dort Songs wie „Live Forever“. Noel nennt diesen Ort später "The Hit Hut". Völlig bescheiden. Drogen? Ja. Viele. Gedächtnis zwischen 1993 und 1998? Gelöscht. Später sagt er: „Ich war gut in Drogen. 1991 kommt Noel von einer Tour als Roadie der Inspiral Carpets zurück und sieht, dass Liam jetzt Sänger einer Band namens The Rain ist. Er geht auf ein Konzert. Urteil: Ihr seid scheiße.“ Auch so ein Talent. 1994 kommt Definitely Maybe – einschlägt ein Meteorit. 1995 folgt (What’s the Story) Morning Glory? – und plötzlich läuft „Wonderwall“ auf jedem verdammten Planeten.
Noel wollte den Song selbst singen. Liam sagt: „Nö.“ Noel sagt: „Gut. Dann sing ich halt Don’t Look Back in Anger und ihr weint alle trotzdem.“ 1996: Knebworth. 250.000 Menschen. Noel steht auf der Bühne, denkt: „Ich hab das hier alles erfunden. Aus einem Lagerraum. Mit kaputtem Fuß.“ Sie kaufen Villen, Autos, Pools – er kann weder fahren noch schwimmen. Nichts davon hält ihn auf. Seine Katzen heißen Benson & Hedges. Natürlich. Be Here Now (1997) verkauft sich absurd gut – ist aber auch ein musikalischer Kokainrutsch. Noel sagt später selbst: „Nur weil sich etwas gut verkauft, heißt das nicht, dass es gut ist. Siehe Phil Collins.“
Noel und Liam streiten sich nicht – sie betreiben emotionalen Cagefight. Backstage, auf der Bühne, in Interviews. 2009 eskaliert alles endgültig. Noel schmeißt hin. Oasis ist tot. Statt sich ein Rentnerleben mit Villen und Nostalgie zu gönnen, gründet er Noel Gallagher’s High Flying Birds. Vier Alben.
Ausverkaufte Touren. Kein Bruder, der ihm Gitarren an den Kopf wirft. Fast langweilig – aber erfolgreich. 2023 erscheint Council Skies – Nostalgie für die Zeit, als er noch arm, wütend und hungrig war. 2024 arbeitet er mit den Black Keys. 2025 kündigt sich eine Oasis-Reunion-Welttour an. Ja – die Welt bekommt die Gallaghers noch einmal serviert. Mit extra Drama.