Plini Roessler-Holgate wird irgendwo zwischen 1992 und 1993 in Australien geboren – was sehr gut passt, denn auch musikalisch hält er sich nicht gern an feste Zeitachsen, Regeln oder Schubladen. Erst nennt er sich Halcyon, dann merkt er: Warum eigentlich verstecken? Also bleibt nur noch Plini. Kein Künstlername, kein Image-Overkill. Einfach: Talent. Und das Talent ist nicht subtil. Steve Vai selbst nennt ihn „die Zukunft des außergewöhnlichen Gitarrenspiels“ – was ungefähr so ist, als würde Gott persönlich sagen: „Der Junge hier hat’s kapiert.“
Plini spielt keine Musik für Angeberei. Er spielt Musik für Menschen, die gerne fühlen und denken – im Idealfall gleichzeitig. Seine Songs sind komplex, aber nicht verkopft. Technisch brutal, aber melodisch wie ein verdammter Sommerabend. Seine EP-Trilogie, Other Things, Sweet Nothings, The End of Everything, war im Grunde schon eine stille Kampfansage an die Prog-Welt: Ihr dürft jetzt wieder Musik schreiben, die nicht nur Gitarristen beeindruckt. 2016 erscheint „Handmade Cities“ – sein Debütalbum.
Steve Vai nennt es eines der besten Instrumental-Gitarrenalben überhaupt. Musikradar kürt Plini später zum besten Prog-Gitarristen des Jahres. Und als ob das nicht reicht, wird ihm auch noch ein Gitarrensolo praktisch weltweit geklaut. 2020 bei den MTV EMAs spielt Doja Cat ein Solo, das 1:1 aus „Handmade Cities“ stammt. Internet flippt aus. Plini bleibt entspannt. Doja meldet sich privat und entschuldigt sich. Ende der Geschichte. Kein Drama. Kein Ego-Gewitter. Nur Stil.
Plini ist das musikalische Kind von: Joe Satriani (Melodie statt Dauer-Gewichse), Guthrie Govan, John Petrucci, Steve Vai, Periphery, Tigran Hamasyan. Oder anders gesagt: Alles, was technisch unfair und musikalisch gefährlich ist. Satriani ist dabei der wichtigste: Nicht wegen der Geschwindigkeit. Sondern wegen der verdammten Melodien. Plini hat verstanden, was viele Shredder nie lernen: Niemand pfeift Arpeggios. Menschen pfeifen Hooks. 2020 kommt „Impulse Voices“. Weniger jugendlicher Progzirkus.
Mehr Reife. Mehr Song. Mehr Raum. Plini wird nicht langsamer – er wird gefährlicher, weil er jetzt weiß, wann er schweigen muss. Plini tourt global:
Australien. USA. Europa. Asien. Überall dieselbe Reaktion: Gitarristen hinten mit offenem Mund, Nicht-Gitarristen vorne mit Gänsehaut. Das ist die echte Kunst: Technik so zu verpacken, dass sie niemanden nervt. Natürlich hat Plini auch eine Signature-Gitarre: Die Strandberg Boden Plini Edition.
Teuer. Leicht. Kopflos. Ausverkauft. Kult. Und ja – ich sag’s dir ehrlich: Die Gitarre wird dich kein Stück besser machen. Aber sie wird dir verdammt viel Motivation liefern, es wenigstens zu versuchen. Plini ist kein Rockstar. Kein Lautsprecher-Typ. Kein Ego-Monster. Er ist der stille Beweis, dass man mit: Disziplin, Geschmack, und krank guter Technik die Prog-Welt auf links drehen kann – ohne dabei wie ein Matheprofessor mit Verzerrer zu klingen. Er ist die Zukunft des Gitarrenspiels, hat aber null Interesse daran, sich wie die Zukunft aufzuführen. Und genau deshalb funktioniert es.