Tom Morello kam 1964 in Harlem zur Welt – einem Ort, der später mal sagen würde: „Okay, der Typ war erst der Anfang.“ Sein Vater war ein kenianischer Freiheitskämpfer aus der realen Mau-Mau-Revolution, sein Onkel der erste Präsident Kenias, und seine Tante die erste Frau im kenianischen Parlament.
Kurz: Tom wurde in eine Familie hineingeboren, die Revolutionen nicht nur gut fand, sondern als Hobby betrieb. Seine Mutter? Italienisch-irisch, Hardcore-Lehrerin, Weltenbummlerin, und die Art Frau, die dich in der Schule mit einem Blick analysiert, entwaffnet und deine politische Meinung korrigiert – gleichzeitig.
Sie war auch diejenige, die ihn allein großzog, nachdem sein Vater die Bühne verlassen hatte, als Tom gerade laufen lernte. Libertyville, Illinois wurde sein Zuhause – eine Kleinstadt, die so konservativ war, dass Tom dort als „linker Anarcho-Knirps“ ungefähr so auffiel wie ein brennender Mülleimer in einer Schneekugel. Mit 13 gründete er seine erste Coverband und kaufte seine erste Gitarre — wahrscheinlich nicht ahnend, dass er später Gitarrentöne erzeugen würde, bei denen normale Menschen denken: „Ist seine Gitarre gerade explodiert oder versucht sie zu kommunizieren?“
Dann Harvard. Ja, der Mann, der später Rage Against the Machine mitbegründete, hat einen Harvard-Abschluss. Social Studies, um genau zu sein – also der elegante Weg zu sagen: „Ich will das System verstehen, damit ich es später besser zerstören kann.“ Nach der Uni ging Tom nach Los Angeles, wo die Realität ihm ins Gesicht schlug und sagte: „Willkommen im echten Leben. Du bist broke.“ Und Tom antwortete: „Okay, dann strippe ich halt.“ Ernsthaft. Der Mann arbeitete als Exotic Dancer, tanzte zu „Brick House“ und verdiente mehr Geld, als es irgendjemand erwarten würde.
Sein Fazit: Danke Gott, dass es damals noch kein YouTube gab. Zwischendurch arbeitete er im Büro eines US-Senators und merkte sehr schnell: Politik ist wie ein schmutziges Handtuch – je länger man es in der Hand hält, desto schlechter riecht es. Das Highlight: Er nannte eine Frau am Telefon „eine verdammte Rassistin“, weil… sie eine verdammte Rassistin war. Aber die Politik mochte seine Ehrlichkeit nicht. Tom mochte die Politik nicht. Also war klar: Musik oder nix. Tom traf Zack de la Rocha, und das Universum machte einen dieser „Na endlich!“-Momente.
Gemeinsam mit Brad Wilk und Tim Commerford gründeten sie Rage Against the Machine – aka die Band, die ganze Generationen politisiert hat und gleichzeitig Gitarrensounds erschuf, die bis heute Gitarrenbauern Albträume bereiten. 1992 kam das Debütalbum – und es war nicht einfach ein Album. Es war ein Molotowcocktail mit E-Gitarre. Tom wurde der Typ, der eine Gitarre wie ein DJ behandelte, wie ein Roboter hackte und wie ein Metallesel prügelte. Tapping, Kill-Switch, Feedback-Sirenen, verrückte Whammy-Pedal-Greuel – alles dabei. Sein Style war so neu, dass viele Gitarristen bis heute auf Workshops flüstern:
„Wie zum Teufel…?“
RATM explodierte, wurde riesig, und irgendwann platzte die Band intern wie jede Gruppe, in der zu viele Genies sitzen und die Musikindustrie ständig irgendwo zündelt. Zwischendurch zerlegte Tom bei Konzerten politische Strukturen, während draußen die Polizei mit Tränengas spielte. Und ganz Hollywood war verwirrt: „Der Harvard-Absolvent spielt Anti-System-Metal?“ Yes. Yes, he does. Nach Rage gründete Tom gemeinsam mit Wilk, Commerford und Chris Cornell Audioslave — was ungefähr so war, als würden sich ein Löwe, ein Panzer und ein Prophet in einer Bar treffen und beschließen: „Lass uns Kunst machen.“
Drei Alben, Welttourneen, ein Konzert in Kuba, legendäre Songs, massiver Erfolg. Dann starb Cornell viele Jahre später — und mit ihm jede Hoffnung auf eine größere Reunion. Tom hat danach oft gesagt, wie viel Cornell für ihn bedeutete. Und man hört’s. Unter dem Namen The Nightwatchman verwandelte sich Tom in eine Art politischer Troubadour – Folk, Protest, Singer/Songwriter-Vibes. Stell dir vor: Der Mann, der sonst Gitarren zum Weinen, Kreischen und Brüllen bringt, steht plötzlich allein mit einer akustischen Gitarre da. Nicht subtil, nicht leise — aber ehrlich. Extrem ehrlich.
Er nannte es selbst: „Das Blut meiner politischen Überzeugungen in Musikform.“ Tom spielte mit Bruce Springsteen (“my muse”), gründete Prophets of Rage, kollaborierte mit gefühlt jedem Rapper, DJ, Punk, Metalhead und Außerirdischen, der ihm über den Weg lief, und veröffentlichte Soloalben voller Features, die so divers sind, dass Spotify kurz Atemnot bekommt. Springsteen sagte über ihn: „Er hat mein Album auf ein neues Level gehoben.“ Stell dir vor, Bruce Springsteen sagt das über dich. Das ist wie wenn Gott dir sagt: „Netter Job, Bruder.“
Der Gitarrist, der die Regeln verbrannte. Tom Morello ist nicht einfach ein Gitarrist. Er ist ein verdammter Algorithmusfehler im Rock’n’Roll-System.
Ein politischer Berserker mit Harvard-Hirn, DJ-Fingern und Metal-Herz. Ein Mann, der gleichzeitig: ein Striptease-Überlebender, ein Harvard-Absolvent, ein Revolutionär, ein Hall-of-Fame-Gitarrist, ein Folk-Barde, ein politischer Provokateur, und der beste Beweis ist, dass Gitarrenmusik noch lange nicht tot ist.
Seine Gitarre sagt „Arm the Homeless“. Seine Karriere sagt „Arm die Ahnungslosen“. Sein Sound sagt „Mach dich bereit, du hast so etwas noch nie gehört.“