Wenn Rockstars Krieger sind, dann ist Troy Van Leeuwen der Typ, der in perfektem Anzug durch das Schlachtfeld spaziert, während alles um ihn herum explodiert – und er dabei aussieht, als würde er gleich eine Jazzplatte aufnehmen. Geboren am 5. Januar 1970, offiziell in Los Angeles, Kalifornien, genetisch halb niederländischer Coolness, halb kalifornischem Wahnsinn, wuchs Troy in einer Welt auf, in der Chuck Berry auf dem Plattenteller seines Vaters tanzte und Led Zeppelin seine religiöse Erweckung war. Er wollte zuerst John Bonham werden, landete aber irgendwann mit einer Gitarre in der Hand – und, verdammt, das war die richtige Entscheidung.
Versuch und Irrtum in den 80ern. Bevor er den Wüstenrock neu definierte, spielte Troy in den späten Achtzigern in kleinen südkalifornischen Bands, die Namen hatten wie Jester, Little Boots und 60 Cycle – allesamt so kurzlebig wie ein Punk-Konzert in einem Altenheim. Er lernte dabei aber zwei Dinge: erstens, dass Soundschichten geiler sind als Gitarrensoli, und zweitens, dass er eigentlich zu gut war, um ewig in Garagen zu versauern. Während dieser Zeit traf er Kellii Scott, was später in einem Projekt namens Enemy mündete – ein Bandname, der klingt, als hätten sie in ihren Songs gerne mal Instrumente geopfert.
In den 90ern landete Troy bei Failure – einer Band, die so unterschätzt war, dass sie fast schon legendär wurde, weil sie keiner kannte. Sie mischten Alternative Rock mit Weltraumstaub und Depression, wurden von Kritikern gefeiert und von der breiten Masse komplett ignoriert. Aber das Schicksal war nicht ganz so mies: Auf Tour traf er Josh Homme von Kyuss, und das sollte sich später als ziemlich schicksalshaft herausstellen. Nach dem Ende von Failure schlich sich Troy in die Rolle des Session-Musikers – eine Mischung aus Freelancer, Tontechniker und musikalischem Chamäleon.
Eines Tages klopfte dann kein Geringerer als Maynard James Keenan von Tool an die Tür (wahrscheinlich in dunklem Umhang) und fragte, ob er Bock auf ein neues Projekt habe: A Perfect Circle. Das erste Album Mer de Noms (2000) explodierte wie ein Kunstfilm mit Gitarrenverstärkern – düster, melancholisch, perfekt für depressive Philosophiestudenten. Das Ding verkaufte sich über 180.000 Mal in der ersten Woche, und Troy tourte um die Welt – mit Nine Inch Nails als Vorband. Kein Witz. 2002 war Troy wieder auf der Suche nach einem neuen Chaos – und wurde von Josh Homme zur Audition für Queens of the Stone Age eingeladen.
Er gewann den Job gegen mehrere Konkurrenten (darunter Jeordie White von Marilyn Manson) und hatte eine Woche Zeit, um 30 Songs zu lernen.
Er schaffte es. Seitdem ist er das stilvollste Mitglied einer Band, deren Energie irgendwo zwischen Whiskey, Wüste und Wahnsinn schwankt.
Mit QOTSA hat er mittlerweile fünf Studioalben aufgenommen – von Lullabies to Paralyze (2005) bis In Times New Roman… (2023) – und dabei bewiesen, dass man auch in Designerstiefeln Rock’n’Roll spielen kann, ohne auszusehen wie ein Schrotthändler.
Troy ist nicht der Typ, der stillsitzen kann. Sein Nebenprojekt Enemy (2005) nannte er mal „ein Vehikel aus purer Frustration über die menschliche Existenz“ – also, ja, gute Laune war nie das Ziel. Danach gründete er Sweethead, eine Art Glam-Rock-Ausflug mit viel Sex, Schweiß und Zynismus.
Und als wäre das nicht genug, schloss er sich Gone Is Gone an – einer Supergroup mit Leuten von Mastodon, At the Drive-In und Queens of the Stone Age.
Wenn das kein musikalischer Swingerclub ist, weiß ich auch nicht. Troy spielt Gitarre, Bass, Lap Steel, Synthesizer, Klavier – wahrscheinlich auch Toaster, wenn man ihn lange genug lässt.
Sein Sound ist das, was passiert, wenn David Bowie, Brian Eno und Jimmy Page in einer Wüste stranden und sich entscheiden, ein Soundexperiment mit Gitarrenpedalen zu starten. Er schichtet Texturen, baut Stimmungen auf und erschafft Klanglandschaften, die sich anfühlen, als würde man nachts mit Sonnenbrille durch ein leeres Motel laufen. Privat bleibt Troy mysteriös. Keine Skandale, keine Social-Media-Eskapaden, keine betrunkenen Grammy-Rants.
Er taucht einfach mit einer Gitarre auf, spielt, als ginge es um Leben und Tod, und verschwindet wieder in der Dunkelheit – wahrscheinlich, um an einem neuen Song oder einer noch schärferen Jacke zu arbeiten.