Corey King Beaulieu kam am 22. November 1983 in Dover-Foxcroft, Maine zur Welt, einem Ort, der so ruhig ist, dass selbst die Kirchenglocken wahrscheinlich gähnen. Er wuchs als jüngerer von zwei Geschwistern auf, während seine ältere Schwester Sandra lieber Pferde trainierte, statt Gitarrenriffs zu studieren. Seine Familie war französisch-kanadisch geprägt und hatte diese Mischung aus Bodenständigkeit und „Mach dein Ding, Junge“-Mentalität, die später erklären sollte, wie ein Eishockey-Kid aus Maine in einer der prägendsten Metalbands der 2000er landen konnte. In der Schule ging Corey tagsüber auf die Foxcroft Academy und jagte abends Pucks über gefrorene Plätze, als wäre das sein geheimer Vorbereitungskurs für späteres Downpicking im Warp-Speed-Tempo. Musik spielte zu der Zeit nur nebenbei eine Rolle, bis Guns N’ Roses zum ersten Mal in sein Teenagerhirn krachten und sagten: „Hey, Schwachkopf, das hier könnte dein Leben ruinieren, oder besser machen.“ Aber es war erst der Moment, als Metallica seine Ohren zerpflückten, der den Startknopf drückte.
Das war der Augenblick, in dem Corey beschloss, dass Gitarre sein Ding werden würde und zwar nicht „Ich spiel mal ein paar Akkorde“, sondern „Ich übe jetzt täglich, bis meine Unterarme aussehen wie hydraulische Pressen.“ Mit 14 schnappte er sich eine Gitarre und landete bei Bill Pierce in Mark’s Music, wo er lernte, wie man ein Instrument festhält, ohne auszusehen wie ein verlorenes Waldtier. Und irgendwo zwischen Powerchords und ersten Soloversuchen entwickelte er diese obsessive Ader, die alle guten Metal-Gitarristen haben: die ungesunde Lust, Dinge schneller, präziser und lauter zu spielen, als irgendein anderer Mensch es für sinnvoll halten würde. Nach seinem Abschluss an der Foxcroft Academy packte Corey seine Sachen, ging auf die Full Sail University und machte 2003 seinen Abschluss. Doch die eigentliche Ausbildung fand nicht in Klassenzimmern statt, sondern in seinem Zimmer, in Proberäumen, in dem mantraartigen Wiederholen von Riffs, bis die Saiten glühten. Während andere Teenager versuchten, Dates klarzumachen, versuchte Corey, Marty-Friedman-Soli nachzuspielen. Beide Vorhaben etwa gleich schwierig, aber nur eines davon führte irgendwann zu Trivium. Der entscheidende Wendepunkt kam nämlich, als Trivium frisch nach dem Release ihres Debüts Ember to Inferno einen Gitarristen suchten.
Corey tauchte auf, spielte vor, und statt den üblichen „Wir melden uns“, sagten sie einfach: „Okay, du bist drin.“ Und damit begann der Teil seiner Geschichte, in dem die Musik nicht mehr nur ein Traum war, sondern ein Vollzeitkampf gegen Jetlag, Studiotermine und kaputte Verstärker auf Tour. Innerhalb von Trivium wuchs Corey nicht nur hinein, er wurde zu einem der tragenden Motoren dieser Band. Seine pick-scharfen Riffs, sein irrwitzig präzises Alternate-Picking und seine Fähigkeit, Melodien aus dem Chaos herauszuschneiden, machten ihn zu einem der Gitarristen, die man hört und sofort weiß: „Ah, das ist der Kerl aus Trivium.“ Die Mischung aus Aggression und Melodie wurde zu seinem Markenzeichen. Von Ascendancy bis In Waves bis What the Dead Men Say zog sich wie eine Schneise sein Sound durch die Diskografie, präzise wie ein Skalpell, gewaltig wie eine Lawine. Zwischendurch schrie er live Backing-Vocals ins Mikro, als würde er versuchen, einen Dämon zu beschwören, und lieferte Gastvocals bei anderen Bands ab, nicht um Geld zu verdienen, sondern weil Corey diesen unersättlichen „Lass uns irgendwas Geiles machen“-Drive hat, der ihn ständig antreibt.
Sein Verhältnis zu Gitarren entwickelte sich irgendwann zu einer Art Tour durch die Hallen der Gitarrengeschichte. Anfangs Jackson, zwischendurch B.C. Rich und Ibanez, dann die fast schon mythische Episode, in der Rita Haney, Dimebags Partnerin, Corey eine Original-Dimebag-Dean in die Hand drückte. Das löste eine dreijährige Dean-Ära aus, inklusive eigener Signature-Modelle, bevor er wieder zu seiner geliebten Jackson zurückkehrte, bis die Bosse irgendwann sagten: „Okay, lass uns dir jetzt offiziell ein Signature-Modell bauen.“ 2013 war es so weit. Für einen Gitarristen ist das der Moment, in dem das Universum dir sagt: „Bruder, du hast’s geschafft.“ Abseits des Lärms bleibt Corey jemand, der nicht pausenlos in Interviews herumposaunt, wie genial er ist. Er arbeitet, er übt, er schreibt, er tourt, er lebt dieses Leben mit einer Mischung aus Disziplin und Leidenschaft, die man merkt, sobald er eine Bühne betritt. Er wirkt wie einer dieser Typen, die nicht spielen, um cool zu wirken, sondern weil es einfach nichts auf der Welt gibt, was sich richtiger anfühlt als eine Gitarre in der Hand.
Heute ist Corey Beaulieu einer dieser Gitarristen, die still und methodisch eine ganze Generation prägen. Typen in Schlafzimmern, Garagen und Proberäumen versuchen seine Riffs nachzuspielen und fragen sich dabei: „Wie zur Hölle macht der das?“ Und die Antwort ist simpel und brutal: jahrelange Arbeit, Null Ego-Bullshit und die Fähigkeit, die eigene Leidenschaft wie einen Hochofen am Laufen zu halten. Corey ist nicht nur ein Teil von Trivium. Er ist einer jener Musiker, die das Niveau der ganzen Szene hochziehen, ohne dafür Applaus zu erwarten. Ein Gitarrist, der ständig weiterlernt, weiterbaut, weiterentwickelt. Einer, der bewiesen hat, dass ein Junge aus Maine, der Eishockey spielte und Metallica hörte, irgendwann einer der wichtigsten Gitarristen seines Genres werden kann, wenn er einfach niemals aufhört, besser werden zu wollen.