Gary Wayne Holt wurde in Richmond, Kalifornien geboren, mitten im Bay Area Sumpf, aus dem später Thrash Metal kroch wie ein aggressives Biest mit Gitarrengurt. Er war kein Gründungsmitglied von Exodus, aber das ist scheißegal, denn am Ende blieb nur einer übrig. Und das war Holt. Der Typ ist bis heute der einzige Musiker, der auf jedem verdammten Exodus-Album zu hören ist. Dreizehn Stück. Keine Pause. Kein Ausstieg. Kein Drama. Nur Riffs. Exodus entstand 1980, gegründet von Kirk Hammett, Tim Agnello, Paul Baloff, Tom Hunting und Carlton Melton. Noch bevor die Band überhaupt richtig wusste, wie sie heißen will, stieg Agnello aus, um Priester zu werden, was im Thrash Metal ungefähr so sinnvoll ist wie Yoga im Moshpit. Sein Ersatz war Gary Holt, damals noch Hammetts Gitarrentechniker. Holt wechselte vom Kabelrollen zum Riffschreiben und übernahm praktisch sofort das Kommando. Seitdem ist er der Hauptsongwriter, das Rückgrat und der letzte Überlebende dieser Band. Als Hammett 1983 Exodus verließ, um bei Metallica Weltkarriere zu machen, hätte das auch das Ende sein können.
Stattdessen holte Holt Rick Hunolt ins Boot. Gemeinsam wurden sie zur legendären H-Team-Gitarrenfront, einer Mischung aus Präzision, Aggression und maximalem Nackenschaden. Mit Bonded by Blood (1985) legten sie einen Grundstein, den Thrash-Fans bis heute wie eine religiöse Schrift zitieren. Roh, brutal, kompromisslos, genau wie Holt selbst (außer wenn er seine Brille aufsetzt). Nach internen Querelen wurde Sänger Paul Baloff gefeuert und durch Steve „Zetro“ Souza ersetzt. Exodus unterschrieb bei Combat Records, veröffentlichte Pleasures of the Flesh und landete 1989 mit Fabulous Disaster ihren größten Treffer. Platz 82 in den Billboard-Charts, für Thrash Metal damals ungefähr so realistisch wie ein Grammy für ein Kettensägenmassaker zu bekommen. Toxic Waltz lief auf MTV, Headbanger’s Ball drehte durch, und Exodus waren offiziell Teil der Bay-Area-Thrash-Explosion, gemeinsam mit Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax.
Holt blieb dabei immer der Typ im Hintergrund: kein Rockstar-Gehabe, nur Riffs, Riffs und noch mehr Riffs. 2011 kam der nächste historische Moment: Slayer rief an. Jeff Hanneman war krank, jemand musste einspringen und Holt lieferte ab. Big 4, Soundwave Festival, Welttouren. Nach Hannemans Tod 2013 wurde Holt festes Mitglied von Slayer und blieb es bis zum Ende der Band 2019. Er spielte auf Repentless, schrieb keine Songs, aber lieferte Soli, die klangen, als hätten sie Wutprobleme. Holt war kein Ersatz. Er war die logische Fortsetzung. Nebenbei veröffentlichte er 2008 das Lehrvideo A Lesson in Guitar Violence, der Titel ist keine Metapher. Er produzierte Warbringer, tauchte bei Volbeat auf und veröffentlichte 2025 seine Memoiren A Fabulous Disaster. Vorwort von Kirk Hammett. Kreis geschlossen. Gitarrentechnisch ist Holt Old School. Seine Einflüsse heißen Blackmore, Schenker, Iommi, Nugent, Angus Young und Uli Jon Roth.
Seine Lieblingsbands: Motörhead, Venom, Black Sabbath, Judas Priest, frühe Iron Maiden. Kein Schnickschnack, kein modernes Gefrickel, nur aggressive Downpicks, messerscharfe Riffs und eine Spielweise, die Loudwire völlig zurecht als „arguably the best pure thrash guitarist“ bezeichnete. Equipment? ESP-Gitarren mit Signature-Eclipse, Marshall Silver Jubilee bei Slayer, ENGL Savage bei Exodus, Kemper für den Alltag. Laut, direkt, tödlich präzise. Genau wie der Mann selbst (außer wenn er seine Brille aufsetzt). Gary Holt ist kein Rockstar im klassischen Sinn. Er ist der Arbeiter im Thrash Metal. Der Typ, der bleibt, wenn alle anderen gehen. Der die Szene nicht schöngeredet hat, sondern aufgemischt. Und genau deshalb ist sein Name bis heute unauslöschlich in die DNA des Thrash Metal eingebrannt.