Jim Root, geboren an einem gottverdammten 2. Oktober 1971, ist nicht einfach nur ein weiterer verzweifelter Gitarrist vor einer Minibar, er ist die wandelnde Definition von „wenn schon Metal, dann verdammt nochmal richtig Metal“. Er ist die Nummer 4 von Slipknot, nicht Leadgitarrist von Whisky Sour, sondern von Stone Sour, eine maskierte Songwriting-Maschine und ein Gitarren-Freak, dessen Karriere sich liest wie ein Handbuch für alles, was im Musikbusiness verboten gehört, laut und herrlich kompromisslos. Bevor er überhaupt daran denken konnte, das Rampenlicht mit einer Wand aus Gain zu fluten, hat er sich durch Jobs gekämpft, die einen entweder wie ein Streichholz einknicken lassen oder in Beton gießen. Er war Siebdrucker, Teller-Taxi und kein Witz, Hilfs-Teller-Taxi. Wenn du erst mal den ganzen Tag die Reste von fremden Tellern gekratzt hast, entwickelst du eine ganz eigene Form von Aggression, die du später perfekt in Riffs kanalisieren kannst, die wie ein Vorschlaghammer in der Magengrube einschlagen. 1995 stieg er bei Stone Sour ein, nahm den Umweg über den metallischen Phoenix-Tod und die Wiederauferstehung mit Corey Taylor, bevor er 1999 das letzte, alles entscheidende Puzzleteil von Slipknot wurde. Man muss sich das mal reinziehen: Der Typ wollte das Angebot erst gar nicht annehmen. Er saß wahrscheinlich da und hatte gerätselt, ob er wirklich bereit ist für den Shit.
Bis er dann endlich die Band anrief und in den Hörer schrie: „Verdammt nochmal, ich mach’s.“ Er ersetzte Josh Brainard mitten in den Aufnahmen zum legendären Debütalbum und ballerte seine Energie direkt in „Me Inside“ und „Purity“. Das war kein bloßer Einstieg, das war eine Machtübernahme. Root hat bewiesen, dass er alles, was er anfasst, in metallisches Gold verwandelt kann, egal ob er als Rhythmus-Maschine startet oder sich zum Co-Lead-Dämon aufschwingt, der mit Jim-Root-typischen Harmonien einen Chor aus der Hölle dirigiert. Wenn er nicht gerade mit seinen Hauptbands die Bühnen der Welt terrorisiert, steckt er seine Finger in alles, was irgendwie Lärm macht, von Roadrunner United bis hin zu einer fast schon absurden Kollaboration mit Lil Wayne. Warum das denn? Ein Mann mit diesem Sound lässt sich nicht in einen Käfig sperren. Und dann sind da diese verdammten Masken. Root fing mit einer violetten Bondage-Maske an, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hatte, ein stinkendes, unbequemes Teil mit einem Loch oben für die Haare, das mehr nach einer Strafe als nach Kunst aussah. Er hat es durchgezogen und daraus seine erste Lektion in Sachen Schmerzresistenz gelernt. Heute trägt er diese weiße Narrenmaske mit den schwarzen Narben und wahlweise mit Reißverschluss-Mund, ein Zirkusclown-Albtraum, der psychologisch genau dort wehtut, wo Slipknot zu Hause sind. Seine Gitarrenwahl ist dabei genauso radikal wie sein Look.
Er hat Firmen wie Fender dazu gebracht, ihre heiligen Kühe zu schlachten und Modelle zu bauen, die keine normalen Instrumente mehr sind, sondern Präzisionswerkzeuge für die akustische Lärmbelästigung. Telecaster, Stratocaster, Jazzmaster, alle im klinischen Schwarz-Weiß-Look, befreit von jedem unnötigen Dreck wie Tone-Reglern oder Vibratos, die im Weg sein würden, wenn man gerade dabei ist, ein Riff in den Boden zu rammen. Vor Fender war kein Hersteller vor ihm sicher, ob PRS, Jackson oder Charvel, er hat sie alle bis an ihre Schmerzgrenzen belastet. Selbst vor der digitalen Revolution macht er nicht halt und nutzt heute Modeler, obwohl er das früher wahrscheinlich mit einem Lachen quittiert hätte, aber Jim Root geht dorthin, wo der Sound am brutalsten ist. Privat bildet er mit Cristina Scabbia von Lacuna Coil das ultimative Metal-Power-Couple, als hätte das Universum beschlossen, dass so viel Ärger auf einem Haufen konzentriert werden muss. Jim Root ist also kein einfacher Straßenmusiker, er ist ein Erlebnis aus Rhythmus, Wahnsinn und einer Technik, die keine Gefangenen macht.