Jimi Hendrix, geboren am 27. November 1942 in Seattle, war schon als Kind ein musikalisches Chaos auf zwei Beinen. Sein Geburtsname war Johnny Allen Hendrix, später von Papa auf James Marshall Hendrix umgetauft, vermutlich damit der Kleine wie ein Rockstar klingt, statt wie ein weiterer Durchschnitts-Johnny. Die Familie war alles andere als stabil: Mutter Lucille bekam noch zwei weitere Söhne, Leon und Joseph, Scheidung, Streitigkeiten, Chaos, perfekte Brutstätte für einen zukünftigen Gitarren-Gott. Mit vier Jahren bekam Jimmy seine erste Mundharmonika, mit 13 eine einseitige Ukulele, zwischendurch ein paar in die Fresse und 1957 endlich eine richtige Akustikgitarre, die sein Vater für fünf Dollar gebraucht gekauft hatte. Elektrisch wurde es dann mit der Supro Ozark 1560S, einer kleinen, verdammt günstigen E-Gitarre, die perfekt für verrückte Experimente war.
Jimmy konnte keine Noten lesen, kein Problem, er hörte, imitierte und verzerrte alles, was ihm unter die Finger kam. Und falls du es bemerkt hast, wird er Jimmy geschrieben, worauf ich später noch eingehen werde. Schon früh zeigte sich, dass Aufräumen nicht so sein Ding war: Während der Vater unterwegs war und ihn zum Aufräumen mahnte, saß Jimmy in der Bude rum und zupfte auf Besenstielen wie auf einer Gitarre. So entstand das Monster, das später die Welt in Flammen setzen sollte. Highschool Rauswurf wegen schlechter Noten? Check. 1961 Autodiebstahl und Army als Alternative zu Gefängnis? Check. 13 Monate Paratrooper und rausgeschmissen wegen „schlechter Führung“? Check. Disziplin war also nie Jimis Ding, Kreativität schon eher. Immerhin traf er dort Billy Cox, später Mitstreiter bei The King Kasuals und Band of Gypsys. Nach der Army jobbte er als Session-Gitarrist.
Er spielte unter dem Namen Jimmy James, spielte mit Ike und Tina Turner, Sam Cooke, Little Richard – alles, um die Finger warmzuhalten und seinen eigenen Stil zu entwickeln. 1966 kam der große Knall: Chas Chandler von The Animals entdeckt Jimmy in Greenwich Village, ist beeindruckt und holt ihn nach London. Name geändert von Jimmy auf Jimi (kleiner Marketing Trick, weil es zu viele Jimmys gab), Mitch Mitchell am Schlagzeug, Noel Redding am Bass, und die Jimi Hendrix Experience war geboren. Mit der Debüt-Single „Hey Joe“ startet der Wirbelsturm, Top Ten in UK, gefolgt von „Purple Haze“, „Foxey Lady“, „The Wind Cries Mary“ Hymnen einer Generation. Hendrix mischt Fuzz, Feedback, Distortion zu einem Sound, der niemanden kalt lässt. 1967 Monterey Pop Festival: Jimi zündet seine verdammte Gitarre an. Die Welt schaut gebannt zu, der Typ ist jetzt Supernova auf zwei Beinen.
1968 übernimmt er das Studio komplett selbst, jeder Regler, jeder Schalter, jedes Detail unter seiner Kontrolle, Hendrix ist nicht nur Musiker, er ist Sound-Architekt. Danach folgen Alben wie Axis: Bold As Love und Electric Ladyland, voller Experimente, Groove, Funk und psychodelischer Magie. 1969 Woodstock: Gypsy Sun & Rainbows, Billy Cox am Bass, unendliche Jam-Sessions, Freiheit pur. Danach Band of Gypsys, Buddy Miles am Schlagzeug, vier Shows an Silvester und Neujahr im Fillmore East, Songs wie „Who Knows“, „Machine Gun“, „Changes“, Groove-Monster, basslastig, funky, brutal. Hendrix zerrt, zupft, dive-bombt, Feedbacks brechen los wie verdammte Lawinen. Jeder Ton ein Statement, jede Pause eine Drohung. Laut Technik-Infos: Fender Strat seitenverkehrt, Saiten von .010 bis .038, Marshall-Stacks, FuzzFace, Cry Baby WahWah, Uni-Vibe, pure Kontrolle im Chaos.
Doch trotz aller Genialität war das Leben hart: Drogen, Sex, Alkohol, Drama, Management-Probleme. 18. September 1970, London: Jimi stirbt mit nur 27 Jahren an einer unbeabsichtigten Überdosis Schlafmittel in Kombination mit Alkohol. Gefunden von seiner Freundin Monika Dannemann, tragisch, unvermeidlich, aber sein musikalisches Feuer brannte weiter. Und dann die Post-Party. Kein Testament, erbitterte Streitereien um Rechte, Tantiemen, Experience Hendrix, die James Marshall Hendrix Foundation, Vater, Bruder, Adoptivtochter, Produzenten, Anwälte, alle wollten ein Stück vom Kuchen. Heute wird sein Vermögen auf 150 bis 240 Millionen Dollar geschätzt. Das Lustige? All die Zahlen können seine Riffs, sein Feedback, seine Dive-Bombs und seine Bühne nicht kaufen.
Jimi Hendrix war kein Musiker. Er war ein Naturereignis, ein Orkan aus Sound, ein Typ, der mit einer Gitarre die Welt umarmte und gleichzeitig in Flammen setzte. Von Besenstielen über die Supro Ozark bis zur Fender Strat – alles, was er anfasste, verwandelte er in Magie. Von den frühen Blues-Idolen bis zu Funk, Rock und Psychedelik prägte er alles neu, ließ Grooves tanzen und Gitarren schreien. Musiker von Prince bis Lenny Kravitz, von Steve Vai bis Jonny Lang, alle haben das Echo von Hendrix in ihren Adern. Kurz gesagt: Jimmy wuchs in Chaos auf, kämpfte mit Schule, Vater, Army und Geld, doch aus all dem entstand Jimi Hendrix, die wahrscheinlich größte musikalische Naturgewalt des 20. Jahrhunderts. Lustig, verrückt, brutal gut und unvergesslich, ein Typ, der die Regeln sprengte, die Gitarre neu erfand und jeden, der zuhört, ein kleines bisschen verrückt zurücklässt.