Malcolm Mitchell Young kam am 6. Januar 1953 in Glasgow, Schottland, auf die Welt in einer Familie, die schon damals Musik im Blut hatte und Chaos in den Genen. Sein Vater William war ein handfester Typ, der vom Flugzeugmotorenmechaniker zum Postboten wechselte, und seine Mutter Margaret hielt die Familie zusammen. Aber wie das Leben so spielt, half weder Struktur noch Schokolade gegen den eisigen Winter 1963, „The Big Freeze“ legte Schottland unter 2,4 Meter Schnee. Statt darin zu erfrieren, packte die Familie ihre sieben Sachen, stieg in ein Schiff und wanderte nach Australien aus. Malcolm war gerade zehn, perfekt, um australische Sonne, Rock’n’Roll und Chaos aufzusaugen. Die Youngs landeten in Sydney, im Vorort Burwood. Schon früh war klar: Hier entsteht eine Rock-Familie der besonderen Art. Die älteren Brüder Stevie, Alex und George hatten das Musikgen bereits vorgelebt, jeder spielte irgendwo ein Instrument.
Jeder machte Lärm, den andere auch hören wollten. Malcolm und sein kleiner Bruder Angus trugen den Rock’n’Roll weiter und taten so, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Malcolm startete zunächst in Bands wie der Newcastle-Gruppe „The Velvet Underground“, nein, nicht die New Yorker, wo sie Rolling Stones- und T-Rex-Cover rauf und runter spielten. Doch er hatte größere Pläne. Zusammen mit Angus, gerade 18, gründete er 1973 AC/DC. Malcolm als Rhythmus-Gitarrist, Angus als wirbelnder Lead-Tornado, dazu Sänger Dave Evans und ein paar weitere Glückspilze. Der Name? Auf der Rückseite einer Nähmaschine entdeckt, kein Witz. AC/DC. Blitzschnell, kantig, tödlich. 1976 packte die Band die Koffer und zog nach Großbritannien, um Europa zu erobern. Touren, Aufnahmen, Chaos, alles gleichzeitig. 1977 stießen sie auf Black Sabbath auf Tour, Freundschaft mit Ozzy, Messer-Geschichten mit Geezer Butler (oder vielleicht nur Legenden, wer weiß schon genau), und Malcolm behielt den Laden zusammen.
Er war das Herz, das unsichtbare Hirn, die Schaltzentrale, während Angus auf der Bühne wie ein Besessener herumspringte. Bon Scott starb 1980, ein Schlag, der jede Band zerreißen könnte. AC/DC? Nicht mit Malcolm. Er hielt die Truppe zusammen, führte Brian Johnson ein, und Back in Black wurde geboren: das meistverkaufte Album der Band. Rhythmus, Groove, Riffs, alles Malcolm. Kein Rockstar-Glamour, kein Ego-Trip, nur knallharte, kompromisslose Gitarre. Wer den AC/DC-Sound kennt, kennt Malcolm. 1988 musste Malcolm eine Pause einlegen, Alkoholprobleme zwangen ihn, einen Schritt zurückzutreten. Die Band deckte ihn offiziell mit der Geschichte seines kranken Sohnes ab. Während seiner Abwesenheit sprang Neffe Stevie Young ein, so gut, dass Fans kaum merkten, dass Malcolm weg war. Schließlich kehrte Malcolm zurück, nüchtern, fokussiert, bereit, weiterhin den Takt vorzugeben. Malcolm war kein Gitarrist, der mit Solo-Posen glänzte.
Er war der Rhythmus-Gott, der unsichtbare Kommandant. Seine Gretsch-Gitarren waren legendär, sein Spiel minimalistisch, aber tödlich effektiv. Alles, was AC/DC brauchte, kam von ihm. Kein Schnickschnack, keine Eitelkeit, nur drei Akkorde, unzählige Hits und der Sound, der den Hardrock für immer prägte. Privat heiratete Malcolm früh O’Linda, bekam eine Tochter und einen Sohn, und hielt sein Leben fern von der Bühne so ruhig wie möglich. Doch das öffentliche Vermächtnis ist unsterblich: Ohne Malcolm Young gäbe es kein Highway to Hell, kein Back in Black, kein AC/DC, das wir kennen. Er starb am 18. November 2017 an den Folgen seiner Demenz, doch wer seine Riffs hört, spürt, dass Malcolm Young weiter lebt. Er war der Mann, der den Sound von AC/DC prägte und dabei nie die Bühne betreten musste, um sich unsterblich zu machen. Forever Malcolm Young, wie Punkrocker später sangen, ein Titel, den er sich verdammt nochmal verdient hat.