Mark Freuder Knopfler kam 1949 in Glasgow zur Welt, mitten in die britische Nachkriegszeit, Sohn einer englischen Lehrerin und eines ungarischen Juden, der vor den Nazis geflohen war. Während andere Kinder Cowboy und Indianer spielten, hing Mark an seiner Gitarre, die so billig war, dass sie wahrscheinlich schon beim Stimmen auseinandergefallen wäre. Aber diese reichte völlig. Er brachte sich bei, die Saiten nicht mit Plektrum, sondern mit bloßen Fingern zu zupfen. Jahre später wurde das sein Markenzeichen. Knopfler war nie dieser „Gitarren-Gott“ mit wildem Haar, Lederhose und Groupies in der Hotellobby. Er sah immer mehr nach diesem Uni-Professor aus, der dir Shakespeare vorliest. Nur, dass er dir nebenbei auch ein Riff hinwirft, das du dein ganzes verdammtes Leben überdenkst.
Nach einem Abstecher als Journalist und Lehrer landete er irgendwann dort, wo Genies oft enden: in einer abgefuckten Pub-Band. Daraus wurde 1977 Dire Straits. Mit seinem Bruder David, Bassist John Illsley und Drummer Pick Withers startete Mark eine Band, die so bescheiden war wie ihr Sound. Kein Glam, keine Posen. Nur Songs. Songs, die sich in dein Hirn fraßen. Sultans of Swing war der erste Beweis, dass Knopfler eine andere Liga spielte. Keine fetten Gitarrenwände, keine Soli, die sich anfühlen wie Kettensägen, sondern flüssige, sparsame Linien, so präzise wie ein Chirurgenskalpell. Während Punk in England tobte, spielte dieser Typ Jazz-Licks über Rock-Grooves und jeder DJ der Welt riss sich darum. Dann kam Brothers in Arms. 1985 explodierte das Album wie eine nukleare Druckwelle durch die Musikszene.
Money for Nothing (ja, das MTV-Ding), Walk of Life, der Titeltrack – Knopfler schrieb ein Album, das in jedem verdammten Wohnzimmer auf der Welt lief. Ironie: Er machte einen Song darüber, wie sinnlos und oberflächlich MTV ist… und wurde damit zu einem der größten MTV-Stars überhaupt. Aber Knopfler war nie der Typ für Rockstar-Lifestyle. Kein Fernseher-aus-dem-Hotelzimmer-fenster, kein Skandal-Sex, kein Koks bis zum Sonnenaufgang. Er hasste sogar den Tourzirkus, weil er die ganze Maschinerie mehr wie eine Steuererklärung empfand als wie Rock’n’Roll. Während seine Kollegen sich zu Tode saufen, zog er sich zurück, komponierte Soundtracks (Local Hero, The Princess Bride, Wag the Dog) und produzierte Platten für andere. Seine Solokarriere? Zehn Studioalben, jede Platte eleganter und ruhiger als die vorige. Während die Welt ihm „Gitarrengott“-Medaillen umhängen wollte, murmelte Knopfler irgendwas in seinen Bart und zog sich wieder ins Studio zurück.
Heute gilt er als einer der besten Gitarristen aller Zeiten, nicht, weil er schneller war als Eddie Van Halen oder lauter als Jimi Hendrix, sondern weil er niemandem etwas beweisen musste. Er spielte nie eine Note zu viel, immer genau das Richtige, und ließ den Rest einfach weg. Pure Zen-Mastery. Mark Knopfler ist die Antithese zum Rockstar: zurückhaltend, unscheinbar, fast schon langweilig und trotzdem einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass Punkrocker später ein ganzes Album „Forever Malcolm Young“ nannten – oh, sorry, falscher Schotte. Aber du weißt, was ich meine: Wenn es in der Musikgeschichte sowas wie unsichtbare Helden gibt, steht Mark Knopfler ganz vorne an der verdammten Startrampe.