Merle Ronald Haggard kam am 6. April 1937 irgendwo in der Nähe von Bakersfield, Kalifornien, zur Welt und ja, dieser Ort ist im Country-Universum ungefähr so legendär wie ein heiliger Tempel für gebrochene Herzen. Es ist der Geburtsort eines Mannes, der später als einer der größten Country-Singer-Songwriter aller Zeiten gefeiert werden sollte. Aber damals war Merle einfach nur ein Junge, der in einer Welt voller Armut, Staub und harter Realität aufwuchs, der perfekte Nährboden für jemanden, der später Geschichten schreibt, die Menschen mitten ins Herz schneiden wie ein rostiges Taschenmesser. Sein Leben las sich schon früh wie ein schlecht produzierter Krimi.
Ärger, Fluchtversuche, widerspenstige Schuljahre, Haggard war der Typ, den man heute in irgendwelchen Foren „verzogenes Talent“ nennen würde. Doch die Wahrheit ist: Er brauchte diesen ganzen Schlamassel. Ohne die Drecksarbeit des Lebens hätte er nie verstanden, wie man Songs schreibt, die so echt sind, dass man beim Zuhören das Bier riecht und die Einsamkeit schmeckt. Bevor er zum Country-Star wurde, musste Merle erst den Umweg über Gefängniszellen und verlorene Entscheidungen nehmen. Und das ist keine billige Dramaturgie, er landete wirklich im Knast. Der junge Haggard war ein wandelndes Chaos, ein Typ, der immer kurz davor stand, entweder etwas Großes zu tun oder richtig Mist zu bauen.
San Quentin wurde zum Wendepunkt, dieser Ort, der aus den meisten Menschen Zyniker macht, verwandelte Merle in einen Geschichtenerzähler. Er sah Johnny Cash auftreten, spürte plötzlich einen Sinn, und irgendwo in ihm klickte es. Das war nicht nur ein Konzert. Das war ein Weckruf. Ein Arschtritt vom Universum. Als er raus kam, machte er nicht nur Musik, er schlug eine Schneise durch die Country-Szene. Songs wie „Mama Tried“, „Okie from Muskogee“ oder „The Fighting Side of Me“ waren keine glatten Nashville-Produktionen, sondern rohe Lebensbeichten. Merle Haggard sang nicht, um berühmt zu werden. Er sang, weil er es musste, weil diese Geschichten sonst wie Sprengstoff in ihm stecken geblieben wären.
Er wurde zur Stimme jener Leute, die nie eine hatten: Arbeiter, Pechvögel, Außenseiter und all jene, die ihr Leben lang gegen unsichtbare Wände rennen. Der Bakersfield-Sound wurde sein Markenzeichen, ein rebellischer „Fuck You“ an die weichgespülten Country-Trends, die damals aus Nashville tropften. Merle war der Outlaw, bevor „Outlaw Country“ ein Marketingwort wurde. Der Typ, der nicht fragte, ob jemand seine Songs verstand. Er knallte sie einfach hin und ließ die Leute entscheiden, ob sie die Wahrheit vertragen konnten.
Über Jahrzehnte wurde er zu einer lebenden Legende, einem Musiker, der mit mehr Authentizität auf der Bühne stand als drei Musikindustrien zusammen. Und er blieb bis ins hohe Alter produktiv, wild, unbezähmbar. Haggard starb am 6. April 2016, seinem eigenen verdammten Geburtstag, als hätte sein Leben beschlossen, poetisch bis zur letzten Sekunde zu bleiben. Heute wird er gefeiert als einer der wichtigsten Country-Künstler der Geschichte. Ein Mann, der aus Dreck Gold gemacht hat. Einer, dem man glaubt, wenn er über das Leben singt. Weil er alles davon selbst durchlebt hat.