Steve Lukather ist so etwas wie der verdammte Schweizer Taschenmesser-Gitarrist der Popkultur. Seit den 70ern ist er nicht nur das Rückgrat von Toto, sondern auch der Typ, den man anruft, wenn man will, dass ein Song nicht nur gut, sondern legendär klingt. Michael Jacksons Thriller? Ja, er war da. Lionel Richie, Elton John, Aretha Franklin, Eric Clapton? Check. Mehr als 1.500 Alben tragen seine Fingerabdrücke – und nein, das ist kein Tippfehler. Geboren 1957 im San Fernando Valley, Kalifornien, wuchs Luke, so nennen ihn alle, zwischen Filmsets und Gitarrenverstärkern auf. Sein Vater arbeitete bei Paramount, seine Mutter hielt die Familie zusammen, und mit sieben bekam er eine Kay-Akustikgitarre plus Meet the Beatles. Dieses Album war für ihn nicht einfach Musik, sondern ein verdammtes Erweckungserlebnis. Vor allem George Harrison pflanzte ihm die Saat: „So will ich auch klingen.“
In der Highschool kreuzte er die Wege mit David Paich und den Porcaro-Brüdern, eine Begegnung, die später zu Toto führen sollte. Aber bevor die Band Weltruhm erreichte, ackerte sich Lukather als Sessionmusiker durch die Studios von L.A. Jeff Porcaro, damals schon bei Steely Dan, nahm ihn unter seine Fittiche. Bald war Lukather der Typ, der 25 Sessions pro Woche spielte, immer mit der Mischung aus Präzision, Attitüde und dem Gefühl, dass er der Musik ein bisschen mehr Leben einhauchte als andere. Dann kam Toto. 1976 gegründet, wurde die Band schnell mehr als nur eine „Projektband“. Songs wie Hold the Line, Rosanna und vor allem Africa wurden nicht nur Hits, sie überlebten Trends, Jahrzehnte und das verdammte Internet-Meme-Zeitalter. Heute ballern allein die Spotify-Streams Milliardenwerte raus. Toto ist eine der wenigen Bands der 70er, die es nicht nur überlebt, sondern immer wieder Comebacks hingelegt hat. Lukather?
Der Einzige, der nie ausgestiegen ist. Er war da, als die Band Jeff verlor. Er war da, als Sänger kamen und gingen. Und er war da, als es hieß: „Okay, Luke, du singst jetzt einfach selbst.“ Und das Ding ist: Er kann’s. Vielleicht nicht so glatt wie ein Pop-Tenor, aber mit genug Herz, Rauheit und Glaubwürdigkeit, dass I Will Remember oder Kingdom of Desire unter die Haut gehen. Nebenbei hat er fünf Grammys abgeräumt. Er hat eine Autobiografie geschrieben (The Gospel According to Luke) und trotzdem nie die Lust am Spielen verloren. Lukather lebt das Musikerleben wie ein Typ, der weiß: Perfektion ist langweilig. Im Studio? Ein Take reicht meistens. Wenn die Magie nicht da ist – fuck it, probieren wir’s später. Live? Er spielt lieber mit Dynamik und Gefühl, als jede Note chirurgisch korrekt runterzurattern.
Sein Stil? Eine Mischung aus Clapton, Hendrix und Jazz-Fusion-Nerds wie McLaughlin, melodisch, intensiv, mit Bends, die sich anfühlen, als würden sie gleich reißen. Und dann sind da seine Soloprojekte. Bridges, sein neuntes Album, ist so eine Art musikalisches Familientreffen: Paich, Williams, Randy Goodrum, Stan Lynch, sogar sein Sohn Trevor. Ja, richtig gelesen, der Kleine, den er nach der Geburt ansah und dachte: „Mal sehen, ob er in meine Fußstapfen tritt“, macht heute mit ihm Musik. Und das verdammt gut. Wenn er nicht mit Toto oder solo unterwegs ist, hängt Lukather bei Projekten wie Los Lobotomys oder jammt mit Legenden wie Larry Carlton. Er war bei Ringo Starrs All-Starr Band dabei, spielte auf der G3-Tour mit Vai und Satriani, coverte Hendrix, gewann Grammys für Live-Alben und hat im Prinzip überall seine Finger drin, wo es um Gitarren geht.
Sein Signature-Gear ist mittlerweile genauso legendär wie er: die Music Man Luke-Modelle, erst mit EMGs, dann mit seinen eigenen DiMarzio „Transition“-Pickups. Effektboards, Racks, all der technische Kram? Er hat alles durchprobiert, spielt heute aber wieder relativ puristisch. Delay rein, Amp auf, los geht’s. Steve Lukather ist nicht nur ein Gitarrist. Er ist ein verdammter Überlebenskünstler in einer Branche, die 100 Karrieren frisst, bevor sie eine groß macht. Er hat Trends überstanden, Band-Dramen, Verluste, persönliche Kämpfe und steht trotzdem immer wieder auf der Bühne, mit einem Grinsen im Gesicht und einer Gitarre in der Hand. Er ist der Typ, der Africa gespielt hat, als es noch kein Meme war. Der Typ, der Michael Jackson half, die meistverkaufte Platte aller Zeiten zu machen. Der Typ, der nie aufgehört hat, einfach Musik zu lieben – egal, wie kompliziert oder chaotisch das Business wurde. Steve Lukather ist, ganz schlicht gesagt, der Beweis, dass Leidenschaft, Freundschaft und eine Gitarre reichen, um ein halbes Jahrhundert Rockgeschichte zu schreiben.