Okay, lass uns über Steve Vai reden. Dieser Typ, der aussieht, wie ein Marvel-Schurke in einen Heavy-Metal-Gitarristenkostüm, aber mit den Fingern eines Jedimeisters. Sein Leben ist so überladen mit absurden Fakten, dass es klingt, als hätte ein 14-jähriger Gitarren-Nerd im Mittagsschlaf seinen ultimativen Rockstar-Traum zusammengeschrieben. Mit 12 bekam der kleine Steve Gitarrenunterricht von einem gewissen Joe Satriani. Ja, dem Joe Satriani. Das ist so, als würdest du in der Grundschule Basketball von Michael Jordan lernen, nur mit mehr Wah-Wah.
Mit 18 landete er beim verrückten Genie Frank Zappa, nicht zum Gitarrespielen, sondern um Zappas Musik nach Gehör in Noten aufzuschreiben. Damit bewies er, dass sein Gehirn ein verdammter Sequenzer war, bevor er überhaupt richtig Schweiß auf seiner Ibanez ließ. Das war sein Eintritt in die Musikwelt: als hochbegabter Notenknecht. Vais frühe Karriere liest sich wie ein „Who is Who“ der Rock-Gitarristen, die sich verletzten oder zu dumm waren.
Sein Kumpel Yngwie Malmsteen ging. Zack, Vai sprang bei Alcatrazz ein. David Lee Roth brauchte nach seinem Van-Halen-Aus einen Gitarren-Gott, um Eddie Van Halen zu vergessen. Zack, Vai macht die Alben Eat 'Em and Smile und Skyscraper, auf denen er klingt, als würde er Gitarrenlieder vergewaltigen, während er grinst. Whitesnake-Gitarrist Adrian Vandenberg verletzte sich bei irgendeinen Scheiß sein Handgelenk. ZACK, Vai spielt kurzerhand alle Gitarrenparts auf Slip of the Tongue ein. Der Mann war der SEAL Team Six der Gitarren-Freaks. 1986 spielte Vai im Film Crossroads den „Gitarristen des Teufels“, Jack Butler. In der finalen „Gitarren-Duell“-Szene spielt er gegen Ralph Macchio (ihr wisst schon, der Karate Kid Boy) ein Stück namens Eugene‘s Trick Bag. Dieses Stück ist im Grunde ein Paganini-Caprice auf Steroiden und Speed, und es wurde zur heiligen Pflichtübung für jeden Gitarristen, der jemals in seinem Zimmer eine Frau beeindrucken wollte (Spoiler: Hat nie funktioniert). Der Grammy 1991 war nur die Konsequenz.
Während andere Signature-Modelle nur eine andere Lackfarbe haben, ging Vai zu Ibanez und sagte: „Hört zu, Scheißkerle. Ich brauche einen Tremolo, der nicht verstimmt, einen HSH-Pickup-Satz und… ein fucking Loch im Korpus, um sie herumzutragen!“ Der „Monkey Grip“ war geboren. Eine reine Design-Entscheidung, um das Ding wie einen Handtaschenersatz zu greifen. Es ist dumm. Es ist genial. Es ist unverkennbar. Er erfand auch die erste serienmäßige 7-Saiter-E-Gitarre („The Universe“) und startete damit ungewollt eine ganze Metal-Subkultur. Danke, Steve. Sein Solo-Album Passion and Warfare von 1990 ist die Bibel des instrumentalen Gitarren-Rocks. Es klingt, als hätte sich ein Außerirdischer Bach, Hendrix und eine Synthesizer-Orgie gleichzeitig reingezogen und dann auf ein Aufnahmegerät gedrückt. Der Typ nahm nicht nur auf, er produzierte, mischte und meisterte alles selbst in seinen Studios („The Mothership“ & „The Harmony Hut“).
Später stellte er fest, dass ein einzelner Gitarrist nicht genug Klangteppich ist, und ließ seine Stücke von kompletten Symphonieorchestern spielen. Die Dirigenten sagten Dinge wie: „Das kann es easy mit zeitgenössischen Komponisten aufnehmen.“ Kein Scheiß. Während du deine Zeit mit Social Media Scrollen verschwendest, tut Steve Vai folgendes: Er besitzt sein eigenes Label, Favored Nations, und veröffentlicht dort die Crème de la Crème der Gitarrenwelt. Er ist verheiratet mit Pia, der Ex-Bassistin der All-Female-Glam-Band Vixen (siehe Film „Hardbodies“ – oder besser nicht). Er hat zwei Söhne mit Namen, die aus einem Fantasy-Roman stammen: Julian Angel & Fire. Er züchtet Bienen. Ja. Er verkauft den Honig für wohltätige Zwecke. Der Mann, der die Hölle auf Erden mit einer Gitarre beschwören kann, steht im Garten und raucht sanft Bienenstöcke aus. Was zur Hölle?
Ihm war das alles nicht genug. Also: Gründete die Make a Noise Foundation, um Kids Instrumente zu geben. Schrieb ein Gitarrentheorie-Buch (Vaideology). Macht jährliche Gitarrencamps (Vai Academy). Startete eine Web-Serie (Alien Guitar Secrets). Hat einen Patreon-Kanal, wo er über alles redet: Techniken, Stories, „Naked Tracks“ (interpretier das, wie du willst) und wahrscheinlich auch über seine verdammten Bienen. Steve Vai ist ein wandelnder Beweis dafür, dass Talent, wenn es mit der Besessenheit eines Neurotikers und der Arbeitsmoral eines Sklavenantreibers gepaart wird, das Universum dazu zwingen kann, sich zu verbeugen. Er spielte mit Zappa, Roth, Whitesnake, tourt mit Satch und Malmsteen, und dann schmeißt er sich mit Zakk Wylde, Nuno Bettencourt und Tosin Abasi in Generation Axe, eine Tour, die aussieht wie der Endgegner in einem Gitarrenspiel. Er ist Grammy-Gewinner, Ehrendoktor, Labelboss, Filmdämon, Bienenzüchter, Familienvater und der Typ, der Löcher in Gitarren mag, weil es verdammt praktisch ist.
Und das alles, während er aussieht, als würde er in einem schlechten 80er-Film die übermenschliche Version von sich selbst spielen. Während andere Gitarrengötter in Drogenexzessen oder ihrem eigenen Ego untergehen, steht Vai da und denkt sich neue Wege aus, wie man mit 7 Saiten und einem Orchester im Rücken noch einen Ton ausquetschen kann, der nach schmelzendem Titan klingt. Er ist der lebende Beweis, dass es kein Limit gibt außer vielleicht die physikalische Grenze, wie schnell sich Licht durch das Universum bewegen kann. Letztlich ist seine ganze Karriere ein riesiger, komplizierter Mittelfinger an alle, die sagen "das geht nicht". Und das Schönste ist: Er tut das alles mit diesem teuflischen Grinsen, als wüsste er, dass wir Zuschauer gerade versuchen, unseren Kiefer wieder hochzuklappen, während er schon längst zum nächsten gottverdammten Projekt wechselt. Respekt. Und jetzt gehen wir alle mal bisschen üben.