Ein kleiner Typ mit roten Haaren, ADHD, einem Vater mit Gitarrenshop und einem Großvater, der in den 70ern mit T. Rex die Bühne gerockt hat, wächst in Doncaster auf. Klingt nach der perfekten Mischung aus Chaos und Talent, oder? Genau das ist Dominic Richard Harrison, besser bekannt als YUNGBLUD. Ältester von drei Geschwistern, umgeben von Musik, konnte er schon als Teenager Gitarre, Bass, Klavier und Schlagzeug spielen. Während andere Kids noch Matheformeln auswendig lernten, baute Dom sich sein Arsenal an Skills und das ohne jemals zu fragen, ob das auch „erwachsen“ klingt. Kindheit und Schule waren für ihn eher ein Labyrinth voller Regeln, gegen die sein ADHD-Kopf rebellierte. Die Lösung: London und die Arts Educational School in Chiswick, wo er zwischen Ballett, Schauspiel und musikalischen Eskapaden endlich atmen konnte. Klar, der Punk im Herzen war schon immer da, aber jetzt hatte er einen Ort, an dem er seinen Shit ausdrücken konnte, ohne dass die Lehrer ihn in ein Raster zwangen.
Vor der Musik gab es den Schauspieler-Dom: Emmerdale, The Lodge, ja er stand mal in britischen Seifenopern und spielte Rollen, bei denen man nicht auf die Uhr schauen musste, um die Langeweile zu fühlen. Aber tief drin wusste er: Die echte Bühne, die, auf der man die eigene Wahrheit schreit, wartet auf mich. 2017 schickte er die erste Bombe: „King Charles“, ein Manifest in Songform gegen musikalische Konformität. Plötzlich fragte sich jeder: Wer ist dieser rote Haarschopf, der aussieht, als hätte er gerade einen Einhorn-Kampf gewonnen und rastet aus? Kurz danach kam „I Love You, Will You Marry Me“ – ein woker Zusammenschiss in Musik gegossen, dunkel, ehrlich und genau im richtigen Moment verletzend emotional. Dann ging es erst richtig los. YUNGBLUDs Debüt-EP „Yungblud“ (2018) und das erste Album „21st Century Liability“ stellten klar: Dieser Typ mixt Punk, Pop und Rock wie ein Chemiker auf Speed. Texte über toxische Männlichkeit, Sexualität und moderne Liebe, er spricht Dinge aus, über die andere nur flüstern. Schon hier wurde klar: Das ist keine Musik für nebenbei. Das ist Musik für Leute, die Wut, Liebe, Unsicherheit und alles dazwischen fühlen.
Mit „Weird!“ 2020 erklomm er die Charts und zeigte: Alternative Rock kann mainstream sein, wenn er echt ist. Songs wie „Cotton Candy“ feierten sexuelle Freiheit und zeigten, dass YUNGBLUD nicht nur schreit, sondern auch tanzt, metaphorisch und wörtlich. Und dann kam sein drittes Album 2022, wieder Nummer eins in sieben Ländern, der Typ ist ein Chartstürmer, kein Zufall. Fans nennen sich selbst die „Black Hearts Club“ – keine passiven Hörer, sondern eine globale Familie, die diesen wilden, roten Haarschopf verehrt. Sie sehen in ihm eine Stimme für all das, was sie anders, verloren oder missverstanden fühlen. Es ist ein Phänomen: YUNGBLUD ist nicht nur Musiker, er ist ein Spiegel für das was alles auf dieser Welt schief läuft, ein Ventil, ein rotes Blinklicht in einer angeblich grauen Welt. Und dann ist da noch die Sache mit seiner Sexualität. Proudly bi, oder tri, Frauen, Männer, Haustiere, Beziehungen, Herzschmerz, Kollaborationen mit Halsey oder Jesse Jo Stark, alles fließt in seine Kunst ein und macht sie nur noch verrückter.
2024 brachte er sein erstes Buch heraus, „You Need to Exist“, direkt auf Platz eins der Bestsellerliste. Social Justice ist kein Beiwerk, es ist sein Blut, von March for Our Lives über George Floyd Proteste bis hin zu Statements zu Mahsa Amini oder dem Texas Heartbeat Act. Der Typ nimmt kein Blatt vor den Mund, weder musikalisch noch politisch. 2025: Double-Album „Idols“ und die zweite Ausgabe von Bludfest, Doncaster explodiert, Billy Idol springt überraschend auf die Bühne, und alles ist laut, chaotisch, emotional. Der Mann ist 27 und zeigt: Stillstand ist ein Fremdwort. Immer noch rebellisch, immer noch unberechenbar, immer noch YUNGBLUD. Wenn du diesen Typen siehst, denk nicht „Popstar“. Denk „Katalysator“. Jemand, der dir sagt: Es ist okay, anders zu sein, es ist okay, wütend zu sein, es ist okay, alles zu fühlen und laut zu zeigen. Von Soap Opera-Kind zu globalem Rockstar, von ADHD zu Chart-Killer, YUNGBLUD lebt die Kunst der Unangepasstheit. Und scheiße noch mal, eine ganze gottverdammte Generation liebt ihn dafür.