James Christian Shaffer wurde am 6. Juni 1970 in Rosedale, Kalifornien geboren und ist besser bekannt als Munky. Was erstmal klingt wie der Spitzname eines schlecht erzogenen Zirkusaffen, wurde später zum Markenzeichen eines der einflussreichsten Gitarristen der modernen Metalgeschichte. Und wie jede gute Rockstory beginnt auch diese nicht mit Talent, sondern mit einem Unfall. Mit ungefähr zehn Jahren zerlegte sich Munky auf einem Dreirad-Gefährt den Finger. Der Arzt meinte sinngemäß: Entweder du lernst jetzt ein Instrument oder du hast für immer einen nutzlosen Finger. Munky entschied sich für die Gitarre im Schrank. Nicht aus Leidenschaft, sondern aus purer Notwehr gegen körperliche Inkompetenz. Bakersfield war der Ort, an dem Träume entweder sterben oder so laut werden, dass sie fliehen müssen. Munky wollte raus. Weg von Feldern, Hitze und einem Leben, das nach Frühschicht und Alkoholismus roch. Also hörte er Ozzy, Black Sabbath und Van Halen und dachte sich: Genau das. Nur lauter. Vor allem Eddie Van Halens Eruption verpasste ihm einen Gehirnreset. Danach war klar: Das hier ist kein Hobby. Das ist Flucht.
In der Schule war er der Typ mit den langen Haaren, den Lehrer für einen Drogenhändler hielten und die Coolen für einen Freak. Genau dort traf er auf Fieldy und Head. Drei soziale Außenseiter mit zu viel Frust und zu wenig Zukunft. Die spielten nicht zusammen, weil sie musikalisch perfekt waren, sondern weil sie alle gleich aussahen und sonst niemand mit ihnen rumhängen wollte. Head stellte ihn irgendwann vor mit den Worten: Der kann spielen und hat lange Haare. Reichte völlig. Nach der Schule zogen sie nach Burbank, um Rockstars zu werden. Spoiler: Wurden sie erstmal nicht. Sie gründeten Bands, die niemand hören wollte, spielten vor fünf Leuten und hofften, dass wenigstens einer davon betrunken genug war, um sie gut zu finden. Erst mit Creep begann langsam etwas zu entstehen. Dann kam Jonathan Davis. Und plötzlich war aus Chaos eine Waffe geworden. Was Munky und Head entdeckten, war im Grunde simpel: Zwei Gitarren, tiefer gestimmt als moralische Standards auf Tour, dazu sieben Saiten und Effekte ohne Ende. Whammy, Wah, Delay, Reverb, Distortion, alles rein.
Heraus kam dieser schleppende, dreckige Sound, der sich anfühlte wie ein Nervenzusammenbruch mit Rhythmus. Drop A, kein Hochglanz, kein Gitarrengewichse, sondern Riffs wie Faustschläge. Korn klang nicht schön. Korn klang wie Trauma. Der Name Munky kommt übrigens nicht von einer Marketingabteilung, sondern von seinen Füßen. Er kann seine Zehen so spreizen, dass sie aussehen wie kleine Hände. Jonathan Davis meinte einfach: Der Typ ist ein Affe! Und so blieb es. Live war Munky nie der sympathische Rockstar. Er selbst sagte mal, auf der Bühne verkörpert er all das, was er an sich hasst. Das Ekelhafte, das Kaputte, das Aggressive. Deshalb sah er auch aus wie jemand, den man nachts nicht allein im Park treffen möchte. Trashig, dreckig, psychisch leicht angeschlagen. Perfekt für eine Band, die ihre Fans eher verstörte als umarmte. Mit Follow the Leader 1998 explodierte alles. Plötzlich Multi-Platin, Welttourneen, MTV, Chaos in XXL. Und statt sich auszuruhen, machten sie genau das Gegenteil. Neue Sounds, neue Produzenten, Elektronik, Experimente.
Keine Regeln, kein Sicherheitsnetz. Nachts Party, tagsüber Studio, immer am Rand zwischen Kreativität und Selbstzerstörung. Neben Korn gründete Munky sein eigenes Label Emotional Syphon Recordings, startete Nebenprojekte wie Fear and the Nervous System und Venera und sammelte nebenbei Kinder wie andere Leute Gitarren. Insgesamt vier. Zwei Ehen, mehrere Häuser, ein geschätztes Vermögen von rund 30 Millionen Dollar. Vom verletzten Dorfkind zum Multimillionär mit Affenfüßen. Heute ist Munky einer der wenigen Gitarristen, die man sofort erkennt, ohne dass er ein einziges Solo spielen muss. Sein Sound ist nicht schnell, nicht technisch beeindruckend, sondern ehrlich kaputt. Und genau deshalb hat er eine ganze Generation beeinflusst. Er hat bewiesen, dass man keine perfekte Technik braucht, um Geschichte zu schreiben. Man braucht nur genug innere Dämonen und die richtige Verstärkerlautstärke. Oder wie es Munky wahrscheinlich selbst sagen würde: Ich wollte einfach nur aus diesem gottverdammten Bakersfield raus. Der Rest ist irgendwie eskaliert.