Geboren als Myles Richard Bass irgendwo zwischen Großstadt und später kompletter Provinz, startet seine Story nicht mit Rockstar-Glamour, sondern mit einem Reality-Check: Der Vater stirbt früh, die Mutter heiratet einen religiösen Typen mit einer Vorliebe für Pferde, und plötzlich ist aus dem Boston-Kid ein Farmboy in Spokane geworden. Kein Backstage-Pass, sondern Pferdescheiße schaufeln. Willkommen im echten Leben. Und genau da beginnt das, was später diese absurde Mischung aus Sensibilität, Disziplin und latentem Wahnsinn ergibt, die man heute Myles Kennedy nennt. Als Kind? Ruhig. Schüchtern. Kein Rebell. Eher der Typ, der niemandem auf den Sack gehen will. Während andere Kids Mist bauen, rennt er durch Wälder, lebt irgendwo zwischen Bibel, Natur und der leisen Ahnung, dass da draußen noch mehr ist. Und dann kommt seine Mutter und sagt im Grunde: „Junge, du lernst jetzt ein Instrument.“ Er will eigentlich nur spielen und rumhängen, und Trompete wirds. Klassischer Einstieg in die Karriere eines zukünftigen Rocksängers. Was keiner ahnt: Dieses erzwungene Blasinstrument legt den Grundstein für alles. Atemkontrolle. Gefühl für Musik. Disziplin. Dinge, die später dafür sorgen, dass der Typ vier Oktaven raushaut, als wäre es nichts.
Dann passiert das, was immer passiert: Ein Gitarrenmoment mit Eddie Van Halens „Eruption“ zerschießt sein Gehirn komplett und definiert seine Realität neu. Und statt direkt loszulegen, spielt Myles erstmal mit einem Tennisschläger Luftgitarre vor dem Spiegel. Das jahrelang. Sein Stiefvater schaut sich das Elend irgendwann an und sagt: „Junge, kauf dir einfach eine echte Gitarre.“ Also schaufelt Myles neun Monate lang Pferdemist. Dollar für Dollar. Kein Rockstar-Mythos. Kein reicher Onkel. Einfach Scheiße schaufeln für den Traum. Am Ende steht da eine abgefahrene Ibanez-Gitarre und der Start für eine Karriere, die eigentlich keiner so geplant hat. Und jetzt wird’s interessant: Myles wollte ursprünglich gar kein Sänger sein. Der Typ war Gitarrist. Und zwar einer von diesen Nerds, die sich einsperren und Solos bis zur Besessenheit üben. Jazz. Technik. Komplexes Zeug. Während andere cool sein wollten, wurde er heimlich richtig gut. Singen? Kam eher aus Versehen. Bei einem Schüler-Battle-of-the-Bands Ding fällt der Sänger aus, keiner traut sich an Led Zeppelin ran, weil zu hoch. Myles steht einfach da, innerlich kurz vorm Zusammenbruch, singt… und rockt es komplett. Publikum überzeugt.
Aber er hört erstmal wieder auf zu singen. Erst Jahre später, aus purer Not, weil er keinen Sänger findet, übernimmt er wieder den Job selbst. Und genau daraus entsteht diese absurde Kombination: ein Sänger, der denkt wie ein Gitarrist, und ein Gitarrist, der emotional singt wie jemand, der zu viel über das Leben nachgedacht hat. Die 90er sind dann klassische Grind-Phase. Bands kommen und gehen. Jazz-Projekte, Rockbands, Covergigs sechs Nächte die Woche, vier Stunden pro Abend. Schule am nächsten Tag. Kein Glamour. Nur Arbeit. Viel Arbeit. Die Art von Arbeit, die später nach „Naturtalent“ aussieht. Dann kommen The Mayfield Four. Die erste echte Band mit Substanz. Platten. Touren. Sogar ein kleiner Hollywood-Moment in „Rock Star“. Es könnte der Durchbruch sein, ist es aber nicht, und die Band zerbricht. Willkommen im Musikbusiness. Und jetzt wird’s absurd: Myles bekommt die Chance, bei Velvet Revolver vorzusingen. Also quasi bei einer Supergroup mit Guns N’ Roses-DNA. Jeder hätte sofort „Ja“ geschrien. Er sagt nein. Kein Drama, kein Ego, einfach Intuition. Kurz darauf klingelt das nächste Angebot: Alter Bridge. Die ehemaligen Creed-Mitglieder brauchen einen Sänger. Myles sagt verdammt nochmal ja. Der Rest ist Rock-Geschichte.
Während alle denken: „Okay, der Typ ist halt ein krasser Sänger“, entdecken seine Bandkollegen nebenbei, dass er auch noch ein verdammt guter Gitarrist ist. So gut, dass sie zuerst denken, da läuft eine CD im Hintergrund, als er spielt. Kein Witz. Und genau da wird Myles Kennedy zu diesem seltsamen Hybrid aus Frontmann, Musiker-Nerd und emotionalem Songwriter, der Songs über Hoffnung, Zweifel, Glaubenskrisen und den ganzen dunklen Kram schreibt, den andere lieber verdrängen. Stichwort Glauben: Aufgewachsen streng christlich, irgendwann merkt er, dass vieles davon für ihn keinen Sinn mehr macht. Aber statt in die eine oder andere extreme Richtung zu rennen, bleibt er irgendwo dazwischen hängen. Zweifel als Dauerzustand. Und genau das hört man in seiner Musik. Kein Fake. Kein „Alles wird gut“-Bullshit. Sondern echtes Ringen mit Fragen, auf die es keine sauberen Antworten gibt. Parallel dazu passiert der nächste Plot-Twist: Slash taucht auf. Touren und Alben über Jahre. Zwei Welten parallel: Alter Bridge und Slash. Und Myles pendelt einfach dazwischen, als wäre er eine Wanduhr. Abschließend ist Myles ein verdammter Perfektionist mit einem neurotischen Hang zu: „Der Song könnte noch besser sein“. Ende der Durchsage